Mit seiner Antwort an eine Elterninitiative macht der Vatikan deutlich, was er von der „Sexuellen Bildung“ hält, die das Erzbistum Hamburg an seinen Schulen eingeführt hat. Das reagiert mit Schweigen.
Im Vatikan hört man ihnen zu, in Hamburg nicht. Mit Rückenwind aus Rom wehrt sich das „Elternnetzwerk-Kinderschutz und Prävention“ gegen das neue Rahmenkonzept „Sexuelle Bildung“ des Erzbistums Hamburg, das dort seit dem laufenden Schuljahr für alle katholischen Schulen gilt (Elternaktion berichtete). „Vonseiten des Erzbistums erleben wir im Moment eine klare Strategie des Schweigens“, fasst die Sprecherin der Elterninitiative, Varinia Arauco Vera, die aktuelle Entwicklung zusammen. Jeglicher Dialog werde blockiert, obwohl immer mehr Eltern sich mit kritischen Fragen an das Erzbistum oder direkt an die Schulen wenden.
Das verwundert nicht, denn aus katholischer Sicht kann es keine sinnvolle Rechtfertigung dafür geben, Kinder mit der „Sexuellen Bildung“ zu konfrontieren. Jene auf sexuelle Erfahrung und Schamverletzung abzielende Sexualpädagogik beruht wesentlich auf den Ideen des pädokriminellen Pädagogen Helmut Kentler und steht dem katholischen Menschenbild vollkommen entgegen.
Die Ablehnung der „Sexuellen Bildung“ entspricht der Haltung des Vatikans, der inzwischen ein Zeichen gesetzt hat, dass er auf der Seite der Elterninitiative steht. Ihr größter Trumpf ist nämlich ein Schreiben des Dikasteriums für die Kultur und die Bildung, an das sich die Eltern aus Hamburg gewandt hatten. Die vatikanische Behörde, die 2022 aus der Kongregation für das katholische Bildungswesen hervorgegangen ist, betont in ihrer Antwort, dass ihre Position zur Sexualerziehung „jene bleibt, die im Dokument ‚Als Mann und Frau schuf er sie. Für einen Weg des Dialogs zur Gender-Frage im Bildungswesen‘ enthalten ist.“ Dabei handelt es sich um eine 2019 von der Kongregation für das katholische Bildungswesen veröffentlichte Stellungnahme zu antifamiliären Gender-Ideologien und sexualisierenden Bildungsprogrammen, die zunehmend in den Schulen Einzug hielten. Darin werde der „diametrale Unterschied zwischen der Lehre der Kirche und dem, was im Hamburger Konzept umgesetzt wird, deutlich“, betont Arauco Vera.
„Hamburg versus Rom“
Die Elterninitiative, die sich in kurzer Zeit professionalisiert hat, konfrontierte Lehrkräfte und Schulleitungen aller katholischen Schulen mit der Einschätzung aus dem Vatikan. In gut 420 E-Mails verschickten Arauco Vera, ihr Team und viele weitere Eltern dazu eine „Elterliche Erklärung“, die allen Eltern auch online zur Verfügung steht. Die könne „für jedes Kind“ ausgefüllt, unterschrieben und in der Schule abgegeben werden, um flächendeckend Lehrkräfte und Schulleitung zu informieren.
Das Schreiben an die „Lehrerinnen und Lehrer in Hamburg“ enthält als zentrale Argumentationsschrift eine Genüberstellung „Hamburg versus Rom“ in kompakter und erweiterter Fassung. In der vergleichenden Analyse seien „gravierende Widersprüche“ zwischen dem Hamburger Rahmenkonzept und der katholischen Lehre über Ehe, Familie und Sexualität zutage getreten, die die Elterninitiative in 20 Punkten ausformuliert. Ihr Fazit ist eindeutig: Das Bildungskonzept sei unvereinbar mit den Grundsätzen der katholischen Lehre. Dessen praktische Anwendung in katholischen Schulen sei entschieden zurückzuweisen.
Entsprechend deutlich werden die Eltern bereits in der vorangestellten Zusammenfassung von „Hamburg versus Rom“:
Das Dokument „Männlich, weiblich, divers: Rahmenkonzept für sexuelle Bildung an den katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg“ (2025) ignoriert die ethische Vielschichtigkeit menschlicher Sexualität; relativiert den Stellenwert der Ehe; deklariert eine Gleichwertigkeit aller sexuellen Orientierungen; und will sittliche Normen der Kirche mit subjektiven Bewertungen ersetzen. Es artikuliert einen Gesprächsleitfaden, um Lehrkräfte auf eine Konfrontation mit Eltern vorzubereiten, die begründete Vorbehalte gegen diese Inhalte haben. Die hier zum Ausdruck kommende Haltung unterläuft faktisch das Elternrecht, gefährdet potenziell die leibliche, psychische und sexuelle Integrität von Kindern, beschädigt das Sakrament der Ehe, und missachtet den lebensbejahenden Wert der natürlichen Familie. Wie die vorliegende Analyse zeigt, widerspricht das Rahmenkonzept der kirchlichen Lehre diametral.
Angeordnetes Schweigen
Bezeichnend ist das Mauern und Schweigen, das den Eltern entgegenschlägt, seit ihre „Elterliche Erklärung“ hundertfach die Lehrer und Schulleiter erreicht. Man mag sich wundern, warum es in den 15 katholischen Schulen Hamburgs nicht wenigstens ein paar Lehrer gibt, die dem Anliegen der Eltern und ihrer stichhaltigen Argumentation öffentlich zustimmen.
Laut Arauco Vera hat Christopher Haep, der Leiter der Abteilung Schule und Hochschule des Erzbistums Hamburg, die klare Anweisung an die Lehrkräfte herausgegeben, auf die Fragen der Eltern nicht zu reagieren. Man solle den Eltern weder antworten noch konkrete Aussagen machen.
Wenige ausweichende Antworten seitens Haep und sein angeordnetes Schweigen kommen dem Eingeständnis gleich, der Argumention der Eltern inhaltlich nichts entgegensetzen zu können. Gerade deshalb will die Elterninitiative in ihrem Druck auf das Bistum nicht nachlassen. Sie ermutigt alle Eltern, „weiterhin auf ihre Schulleitungen und Lehrkräfte zuzugehen, Fragen zu stellen und das Thema offen anzusprechen.“
