Aufklärungsprojekte und -workshops werden immer häufiger von LSBTIQ-Gruppen an Schulen durchgeführt – oft ohne die Anwesenheit des Lehrers. LSBTIQ steht für lesbisch, schwul, bi, transsexuell, intersexuell und queer. Sexuelle Lobbygruppen von LSBTIQ-Personen sind zentrale Agenturen der „Sexualpädagogik der Vielfalt“. Sie wollen LSBTIQ-Lebensweisen vor Kindern „sichtbar“ machen und als gleichberechtigt und gleichwertig mit heterosexuellen Lebensweisen darstellen, Akzeptanz dafür einfordern und „angstfreie Räume der Vielfalt“ schaffen, in denen sie die „sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung“ der Kinder „stärken“ können. Die persönliche Begegnung mit den Kindern und das Erzählen von sich selbst und der eigenen Sexualität spielt in den Bildungskonzepten dieser Gruppen eine zentrale Rolle. Am liebsten arbeiten LSBTIQ-Gruppen allein mit den Kindern, d.h. ohne Anwesenheit einer Lehrkraft oder Aufsichtsperson. Sie argumentieren, dass die Kinder dann unbefangener und eher bereit seien, auch „heikle“ Fragen ohne falsche Scham zu erörtern.

Erfolgreiche Lobbyarbeit

Die einschlägigen Bildungsangebote dieser LSBTIQ-Aktivisten werden schon seit den frühen Neunziger Jahren v.a. außerschulisch, in zunehmendem Maße aber auch an Schulen und Kitas eingesetzt. Seit 2011 fand eine stärkere Vernetzung der Gruppen auf Bundesebene statt, die 2014 in die Gründung des Interessenverbands “Queere Bildung“ mündete, in dem derzeit nach eigenen Angaben „etwa 50 Projekte und Bildungsinitiativen aus Österreich und Deutschland“ aktiv sind. Man trifft sich regelmäßig in der zentralen LSBTIQ-Bildungsstätte Akademie Waldschlößchen in Niedersachsen zur bundesweiten Vernetzung. Der Verband erfüllt seine Mission, die er neben der Erstellung sexualpädagogischer Konzepte, Methoden und Informationsmaterialien vor allem in der politischen Interessenvertretung sieht, bisher recht erfolgreich. Davon zeugt die flächendeckende Verankerung des Themas „sexuelle Vielfalt“ in den Bildungsplänen und Sexualerziehungsrichtlinien der Bundesländer. Durch diese Aufwertung in den staatlichen Bildungsvorgaben haben LSBTIQ-Gruppen einen enormen Auftrieb erfahren. Die Nachfrage nach ihren Bildungsangeboten steigt an, vielerorts werden neue Mitarbeiterstellen ausgeschrieben.

Zweifelhafter pädagogischer Wert

Seriöse Sexualwissenschaftler warnen schon lange vor dem Einsatz der externen LSBTIQ-Lobbygruppen an den Schulen, denn die didaktischen Methoden der Pädagogik der sexuellen Vielfalt sind nie wissenschaftlich evaluiert worden. „Für die Tendenz, durch spezielle ‘sexualpädagogische Methoden’ das Thema über den regulären Fachunterricht hinaus zu emotionalisieren und eigenes Erleben von Kindern und Jugendlichen im Unterricht zu aktualisieren, öffentlich zu besprechen und zu beeinflussen, gibt es weder eine wissenschaftlich-pädagogische noch eine gesetzliche Grundlage“, sagt etwa die Sexualerziehungsexpertin Prof. Dr. Karla Etschenberg. Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung, Prof. Dr. Jakob Pastötter, wendet sich mit Verweis auf die geltende Schulpflicht gegen die sexualpädagogischen Aktivitäten der LSBTIQ-Aktivisten in den Schulen.

Zweifelhafte Qualifikation

Die Auswahl und Qualifizierung des Personals für externe Sexualerziehungsprojekte verdient vor diesem Hintergrund besonders kritische Aufmerksamkeit. Bei der LSBTIQ-Gruppe SCHLAU NRW etwa genügt ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, ein persönliches Auswahlgespräch, mehrmalige Hospitationen und ein zweitägiges Seminar, um als ausreichend qualifiziert für den sexualpädagogischen Einsatz bei Schülern zu gelten. Immer wieder kommt es zu Skandalen rund um das LSBTIQ-Personal. Ein Sprecher von SCHLAU NRW etwa fiel Ende 2015 durch seine Offenbarung bei Facebook auf, als HIV-Positiver regelmäßig Sex ohne Kondom zu haben, allerdings ohne die Sexualpartner immer auf seine Erkrankung hinzuweisen, da er dank Therapie nicht ansteckend sei.

Übergriffige Sexualerziehung unter dem Deckmantel von Gesundheitsvorsorge und Prävention – Beispiele von bundesweit tätigen Anbietern

Wenn externe Anbieter von Sexualaufklärungsprojekten in die Ein­richtungen Ihrer Kinder kommen, um dort Gesundheits- oder Präventionsprojekte oder Projekte im Rahmen der Sexual­aufklärung anzubieten, ist Vorsicht geboten – insbesondere wenn Begriffe wie „sexuelle und reproduktive Gesund­heit“, „sexuelle und reproduktive Rechte“ oder “sexuelle Selbstbestimmung“ fallen oder wenn davon die Rede ist, dass das jeweils angebotene Programm auch Falschinformationen und Mythen (also traditionellen Vorstellungen und Werten von Ehe, Familie und Fortpflanzung) etwas ent­gegensetzen möchte. Dahinter verbirgt sich der vielfaltspädagogische Ansatz einer um­fas­senden „Sexualbildung“, die über die (biologische) Wissensvermittlung hinausgeht. Stattdessen wird – häufig gegen den Willen und das Erziehungsrecht der Eltern – Kindern frühzeitig und nicht altersangemessen das Thema Sexualität übergestülpt und geschlechtliche und sexuelle Vielfalt als erstrebenswerte  Lebensform propagiert.

Einige Anbieter von schulischen Sexualaufklärungsprogrammen sind bundesweit aktiv, andere nur in einzelnen Bundesländern. Informationen zu letzteren finden Sie auf der Seite Ihres jeweiligen Bundeslandes.

Schulische Sexualaufklärung: Bundesweit agierende Lobbyvereine

Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung

Es ist davon auszugehen, dass die schulischen Sexualaufklärungsprojeke von ÄGGF nicht mit der nötigen weltanschaulichen Zurückhaltung durchgeführt und die Kinder und Jugendlichen einseitig im Sinne der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ be­einflusst werden, denn:

1. Die ÄGGF orientiert sich in ihrer Arbeit an dem Konzept der „sexuellen und reproduktiven Gesundheit“ – tritt also für Abtreibung als Menschenrecht und legitimes Mittel der Familienplanung ein. Das Konzept der „reproduktiven Gesundheit“ beinhal­tet auch das „Recht“ auf Sexualaufklärung – die in allen Bundesländern zum selbster­nannten staatlichen Bildungsauftrag gehört – und wird meist mit einer Antidiskriminie­rungsarbeit im Sinne der Propagierung von sexueller Vielfalt und Orientierungen ver­knüpft.

2. In Bezug auf den Geschlechtsbegriff propagiert die ÄGGF die Definition von dem bei Geburt „zugewiesenen Geschlecht“ (im Gegensatz zum „biologisches Geschlecht“).

3. Auf ihrer Internetseite wirbt die ÄGGF mit Slogans wie „ä…aufgeklärt?! Ärztliche Bildungs-angebote statt Dr. Google“ oder „ä…aufgeklärt?! Ärztliche Bildungsangebote statt Sprachlosig-keit“ und suggeriert somit, dass die für sie tätigen Ärzte über eine be­sondere (über die von Eltern und Lehrer hinausgehende) Kompetenz für die Sexual­aufklärung verfü­gen. In den Schulen bieten die Mitarbeiter der ÄGGF eine „ärztliche Informationsstunde“ an, die wie folgt beworben wird: „Die Jugendlichen nutzen die Kompetenz der ärzt­lichen Gesprächspart-ner*innen, um mit Falschwissen und Mythen aufzuräumen“. Was unter „Falschwissen und Mythen“ zu verstehen ist, wird nicht mitgeteilt und lässt einen breiten Spielraum für die Inhalte einer auf Geschlechtervielfalt beruhenden Sexualpädagogik. (→ „VORSICHT“).

4. Die ÄGGF betreibt im Internet ein sog. „DOCtorial“ mit einem ABC der Sexual­auf­klärung („Liebe, Sex und Gesundheit! Deine Fragen – Unsere Antworten. Das Antwort-Alphabet“). Darin geht es u.a. um „Sex ganz konkret“ mit Piktogrammen verschiedener Stellungen und es werden Begriffe wie „Analverkehr“, „Blasen/Blowjob“, „Lecken“ oder „Wixen“ erläutert. Es ist davon auszugehen, dass dieses Portal in den schulischen Informationsveranstaltungen den Kindern und Jugendlichen als Quelle für weiterführe­nde Informationen empfohlen wird.

5. Die ÄGGF klärt Kinder und Jugendliche – an den Eltern vorbei – ohne aktuellen Anlass über die „Rechtslage in Bezug auf Sexualität“ auf. Wesentliche Aspekte der aktuellen Rechtslage sind beispielsweise die Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch und die Bestimmungen des im November 2024 in Kraft getretenen Selbstbestimmungsgesetzes zur vereinfachten Änderung des Geschlechtseintrags.

6. Im Falle von familiären Spannun­gen in Bezug auf unterschiedliche Vorstellungen von sexu-eller Selbstbestimmung sieht die ÄGGF einen Bedarf an Unterstützung, leicht ver­ständlichen Informationen und niedrigschwelligen Zugängen zum Hilfesystem. be­deutet: Die ÄGGF bietet minderjährigen Kindern und Jugendlichen Unterstützung und Hilfe an – ohne Einbeziehung und ggf. Wissen (ärztliche Schweigepflicht) der Eltern!

Die Rubrik „Ärzt*innen bringen Gesundheitsbildung ins Klassenzimmer. Informations-stunden für Schüler*innen“ enthält Informationen zum Ablauf der Schulveranstaltungen. In „Wissenswertes für Lehrkräfte zur Organisation der ärztlichen Informationsstunde“ heißt es dabei unter den letzten zwei Punkten:
  • Wenn Sie uns Ihre Schüler*innen anvertrauen, sind wir gern mit der Gruppe allein. Das erzeugt eine Art Sprechstundenatmosphäre und es werden dabei eher persönliche Fragen gestellt.“
  • Gern besprechen wir mit Ihnen im Anschluss die Themen und eventuelle Besonder-heiten, soweit sie nicht unter die ärztliche Schweigepflicht fallen.“

Das bedeutet: Die Lehrer kommen ihrer schulischen Aufsichtspflicht nicht nach, denn die Kinder bzw. Jugendlichen werden bei diesem sensiblen Thema mit ihnen völlig fremden Per-sonen alleine gelassen und haben keine Möglichkeit, sich dem zu entziehen. Die durchfüh-renden Ärzte können sich jederzeit auf ihre ärztliche Schweigepflicht berufen und keine Auskunft über die behandelten Inhalte und ggf. verstörten Reaktionen der Schüler geben. Somit werden auch die Eltern nicht erfahren, was in der „ärztlichen Informationsstunde“ besprochen wurde, sofern ihre Kinder es ihnen nicht erzählen.

Weitere Informationen zur ÄGGF

Gefördert von: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Let’s talk about sex: Sexualität

Fragen und Herausforderungen

„Mit Beginn der Pubertät entstehen bei Jugendlichen viele Fragen zur Sexualität. Gedanken kreisen um die Attraktivität, das Aussehen, darum, ob „untenrum alles normal“ ist, also um den Bau und die Funktion der Geschlechtsorgane.

  • Ist es normal, sich selbst zu befriedigen?
  • Woran merkt man, ob man hetero- oder homosexuell ist?
  • Wie haben gleichgeschlechtliche Paare Sex?
  • Wann und wie erlebe ich das „erste Mal“? Und tut das weh?
  • Wie lang muss der Penis sein?…

…das sind typische Überlegungen der Jugendlichen. Hinzu kommen Themen wie Verhütung und Angst vor Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Infektion. Fragen über Fragen und häufig fehlen kompetente Ansprechpartner*innen, um Ängste und Unsicherheiten abzubauen. Wirklich zuverlässige Informationen aus den digitalen Medien sind schwer zu finden. Oftmals verstärken Eindrücke aus dem Internet und insbesondere pornographische Bilder und Filme die eigene Unsicherheit und vermeintliche Erwartungen.

In Deutschland ist sexuelle Selbstbestimmung ein individuelles Rechtsgut, welches garantiert, über die eigene Sexualität frei bestimmen zu können. (…).“

Aufklärung

„In den ärztlichen Informationsstunden entsteht oftmals eine sehr vertrauensvolle Atmosphäre, in der es gelingt, über viele Bereiche der Sexualität zu sprechen. Es werden Fragen zu Geschlechtsverkehr, zu sexueller Orientierung und Identität beantwortet, Sexualorgane und -funktionen erklärt und vieles mehr. Die Jugendlichen nutzen die Kompetenz der ärztlichen Gesprächspartner*innen, um mit Falschwissen und Mythen aufzuräumen.

Auch werden Informationen zur Rechtslage in Bezug auf Sexualität vermittelt. So können Jugendliche selbstbestimmt und selbstbewusst in ein befriedigendes Sexualleben starten.“

Orte, an denen die ÄGGF aktiv ist

ACH, SO IST DAS?!

Das von zwei Frauen durchgeführte Projekt Ach, so ist das?! bietet in Form von „Comics aus der queeren Welt“, Filmen, Büchern und einer Wanderausstellung umfangreiche Informationen zu „LGBTIQ* – Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans, Inter, Queers und Menschen, die eine sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität leben, die nicht der Mehrheit entspricht“.

Das für Schulen in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Bayern konzipierte und im Sinne der Antidiskriminierung verfasste Material bietet unter anderem einen Materialschuber lgbtiq.elementar sowie verschiedene Arbeitsblätter zur queeren Thematik. Normalgeschlechtliche Orientierungen und Lebensweisen sind nicht Gegenstand dieses vom Bundesfamilienministerium geförderten Projektes.

Unser Angebot für Schulen: Holen Sie sich die Ausstellung „Ach, so ist das?!“ mit biografischen Comic-Reportagen von LSBTI – dazu können Sie eine Comiclesung buchen oder diese selbst von einer Klasse /AG erarbeiten lassen.“

AIDS-HILFE

Die AIDS-Hilfe bietet über ihre Mitgliedsorganisationen bundesweit schulische Projekte der sexuellen Bildung an. Meistens sollen die Workshops „in geschützten Räumen“ und ohne Anwesenheit von Lehrern stattfinden. Eines dieser Projekte ist Youthwork, das bundesweit verschiedene Aids-Hilfe-Vereine anbieten, so z.B. die Berliner Aids-Hilfe oder die AIDS-Hilfe Hagen: „Unter dem Namen ‚youthwork nrw‘ arbeiten über 60 Präventionsfachkräfte und Sexualpädagog*innen verschiedener Träger zusammen. Spezielle und allgemeine Präventionsangebote ergänzen sich, viele Angebote werden als Kooperationsprojekte durchgeführt. Unser besonderes Fachwissen und die Zielgruppennähe der einzelnen Mitarbeiter*innen können bei gemeinsamen oder sich ergänzenden Veranstaltungen optimal genutzt werden.“

Beispiele, nach welchen Grundsätzen bei Angeboten der sexuellen Bildung der Aids-Hilfe gearbeitet wird, finden sich hier:

Aids-Hilfe Dresden

AIDS-Hilfe Halle

AIDS-Hilfe Hamburg

aidshilfe leipzig

Der hier als Ansprechpartner für das Projekt genannte Udo Scheinpflug verantwortet verschiedene Publikationen zur sexuellen Bildung für Schwule: Konzept zur Sexuellen Bildung, HIV-Prävention und Gesundheitsförderung bei MSM in Zusammenarbeit mit dem Facharbeitskreis Schwule Prävention der Deutschen Aidshilfe (Berlin/Leipzig, Oktober 2023); GAY SEX EDUCATION Sexuelle Bildung mit Herzenslust der Aidshilfe NRW. Er ist zudem als Referent für die Akademie Waldschlösschen tätig, eine der Kaderschmieden für queere Bildung.

AIDS-Hilfe im Märkischen Kreis und Kooperationspartner

Aidshilfe Potsdam

Aidshilfe Westsachsen, Zwickau

AWO

Die AWO ist deutschlandweit mit ihren Landesverbänden und weiteren Untergliederungen im Bereich „sexuelle Bildung“ aktiv. Beispiele hierfür – die Auflistung ist keinesfalls erschöpfend – sind:

AWO Landesverband Sachsen e.V.: „Unter Präventionsarbeit versteht man Sexuelle Bildung an Kitas und Schulen“.

AWO Landesverband Saarland e.V.: „Sexualität ist eine Lebensenergie und ein menschliches Grundbedürfnis. Für viele Menschen ist die erste Assoziation dazu der Begriff Geschlechtsverkehr. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich aber vielfältige weitere Ausdrucksformen. Sexualität drückt sich u.a. in Zärtlichkeit, Sinnlichkeit, Lust, Geborgenheit, Leidenschaft, aber auch im Bedürfnis nach Fürsorge und Liebe aus.2“ (2vgl. Sielert (1993): Sexualpädagogik. Konzeption und didaktische Anregungen)“

AWO Kreisverband Werra-Meißner e.V.: „Sexualität ist ein zentraler Aspekt des Menschseins, eine Lebenskraft, die einen Menschen über seine gesamte Lebensspanne, von Geburt bis zum Tod, sich wandelnd, begleitet.“

AWO Kreisverband Nienburg/Weser e.V.: „Wir kommen in Ihre Einrichtung/ Schule und sprechen angstfrei und locker in der Gruppe über das Thema Sexualität. … Wichtig ist uns, in unserer Arbeit keine Themen zu tabuisieren oder zu verschleiern, sondern offen und direkt auch problematische Aspekte, wie Pornographie oder sexualisierte Übergriffe zu thematisieren.“

AWO Kreisverband Wuppertal e.V.: Die Beratungsstelle für sexuelle Bildung und HIV/STI-Prävention ist Teil von „Youthwork NRW“ und bietet auch sexualpädagogische Bildungsworkshops. „Unsere Bildungsarbeit geht über die reine Wissensvermittlung hinaus. … Wir ermutigen zu einer positiven, lustbetonten Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, Sexualität und der eigenen Geschlechterrolle. Dabei werden die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen einbezogen.“

AWO Kreisverband Schaumburg e.V.: Verschiedene Angebote im Bereich Sexualpädagogik-Prävention, darunter für den Kindergarten: „Selbstbehauptung mit angehenden Schulanfänger*innen, z.B. Sensibilisierung der Eigen- und Fremdwahrnehmung, Gefühle, „mein Körper gehört mir“, alters- und entwicklungsentsprechende spielerische Übungen“ und für weiterführende Schulen (Klassen 6 bis 8): „Informationsparcour ‚Let`s talk about (s*x)…‘ In einem interaktiven Parcour werden die Themen: Pubertät, sexuelle Selbstbestimmung, Schwangerschaft und Verhütung, Pornos, sexuelle Gewalt, Cybergrooming in Social Media u.a. thematisiert, diskutiert und besprochen, sowie Wissen vermittelt und über “Mythen” aufgeklärt.“

AWO Unterbezirk Dortmund: „Nach unserem Selbstverständnis ist Sexualität eine positive Lebensenergie, die den Menschen von Geburt an begleitet. Sie ist ein universelles Menschenrecht.“

CARITAS

Der Deutsche Caritasverband e.V. hält für „Praktiker:innen aus allen Bereichen der sozialen Arbeit“ eine Sexualpädagogische Materialsammlung bereit. Diese soll unter anderem Lust machen, etwas auszuprobieren“.

DER PARITÄTISCHE

Gemäß dem Motto „Sexuelle Bildung findet immer statt, auch wenn sie nicht thematisiert oder reflektiert wird“, gibt Der Paritätische Wohlfahrtsverband, Landesverband Hessen e. V. eine Arbeitshilfe mit dem Titel “Muss man sich küssen, wenn man verliebt ist? Fünf Schritte zum sexualpädagogischen Konzept für Kindertageseinrichtungen” heraus. Sie enthält eine Literatur- und Linkliste zur weiteren Vertiefung, darunter auf pro familia, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, heute BIÖG) und den in NRW ansässigen Zartbitter e.V., der einschlägige Materialien (Bücher, Theaterstücke, Hörspiele) anbietet.

DEUTSCHES JUGENDROTKREUZ

In einigen Bundesländern bietet das Deutsche Jugendrotkreuz sein Body+Grips-Mobil an, ein ganzheitliches Gesundheitsprojekt für 11- bis 15-Jährige, an. Neben anderen Themenbereichen deckt es auch den Bereich Sexualität ab und enthält Module zur Sexualerziehung. „18 verschiedene Stationen aus sechs zentralen und jugendrelevanten Themengebieten bilden den ‚Gesund mit Grips‘-Parcours. Hier dreht sich alles um Bewegung, Ernährung, Ich+Du (soziales Miteinander), Sexualität, Sucht und Körper+Geist. Zu jedem Themengebiet wartet eine Informations-, Wahrnehmungs- und Experimentierstation auf die Teilnehmer*innen.“

An Station 12 beispielsweise steht die „Vermittlung relevanter Informationen und Fakten zu verschiedenen Verhütungsmitteln und deren Handhabung“ auf dem „(S)Expert*innen-Talk (Sexualität experimentieren)“ genannten Programm, wobei diese Station explizit „von einem*einer Mobilbegleiter*in“ und nicht – wie an anderen Stationen – von einer von der Schule gestellten Aufsichtsperson betreut wird.

Das Body+Grips-Mobil wird in NRW durch das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert, und in Sachsen-Anhalt findet das Projekt in Kooperation mit der AOK Sachsen-Anhalt statt.

DIAKONIE

Die Diakonie ist in vielen Bundesländern mit Angeboten oder Konzepten zur sexuellen Bildung präsent. Exemplarisch ist hier das Konzept zur sexuellen Bildung der Kinderkrippe Teutonenstraße, München genannt. Es enthält sämtliche Versatzstücke der „modernen“ Sexualbildung, wie z.B.

„Sexuelle Bildung muss in der Kindertagesbetreuung ein Bildungsbereich sein, der wie alle anderen zum Portfolio einer jeden Einrichtung gehört.“ / „Das oberste Ziel sexueller Bildung ist, das[sic] ein gebildetes Kind ein aufgeklärtes Kind und damit ein geschütztes Kind ist.“ / sowie – auszugsweise die Ziele (nach Jörg Maywald): „Sich im eigenen Körper wohl fühlen sowie Lust und Unlust ausdrücken zu können“, „Sexuelle Bedürfnisse lustvoll ausleben können“, „Die Körperteile benennen“, „Grundverständnis über das eigene sexuelle Erleben entwickeln“, „Körperkontakt mit anderen suchen und genießen“, „Geschlechtsbezogene Normen, Werte, Traditionen und Ideologien kritisch hinterfragen“, „Mit Widersprüchen zwischen der eigenen Geschlechtsidentität und Erwartungen von anderen umgehen“ u.v.m.

Dabei bezieht sich das Konzept auf einschlägige Autoren wie Sigmund Freud und Jörg Maywald und die BZgA als Quelle.

LIEBESLEBEN – DAS MITMACHPROJEKT

Das Projekt LIEBESLEBEN des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher BZgA) richtet sich bundesweit an alle weiterführenden Schulen, wo es flächendeckend eingeführt und nachhaltig verankert werden soll: „Um eine möglichst große Zahl von Schulen bundesweit zu erreichen und die nachhaltige Verankerung der Themen sicherzustellen, verfolgt »LIEBESLEBEN – Das Mitmach-Projekt« zwei Ansätze:

  • Parcours-Veranstaltungen: Schulen haben die Möglichkeit, einen von geschulten Fachkräften moderierten, interaktiven Parcours vor Ort umzusetzen. Ergänzend werden Lehrkräfte und schulische sowie außerschulische Fachkräfte im Umgang mit den Themen fortgebildet.
  • Länderverstetigung: Gemeinsam mit und in dem jeweiligen Bundesland wird eine landesspezifische Fortbildungsstruktur etabliert. Lehr- und Fachkräfte werden zu den Methoden im Materialkoffer fortgebildet und mit außerschulischen Fachkräften vernetzt.

Im Rahmen des Projekts werden die sechs zentralen Themen „HIV und andere STI (= sexuell übertragbare Krankheiten)“, „Schutz und Safer Sex“, „Freundschaft und Beziehung“, „Körper und Gefühle“, „Vielfalt und Respekt“ sowie „Sexualität und Medien“ behandelt. Dazu wird den Lehrern ein Materialkoffer, dazugehöriges Begleitmaterial und ein Handbuch zum langfristigen Einsatz des Materialkoffers zur Verfügung gestellt. Auch können „Infomaterial, Give-Aways und Kondome“ für die Methodenarbeit direkt beim BIÖG bestellt werden.

siehe auch BZgA

GEW

Die bundesweit stark präsente Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist eine der Organisationen, die das Thema sexuelle Bildung am offensivsten voranbringen. Immer geht es um „Antidiskriminierung“, „Demokratie“ und „Menschenrechte“ und darum, geschlechtliche und sexuelle Vielfalt „sichtbar zu machen“. Die übergriffigen Inhalte der einschlägigen Programme dienen dazu, Schüler entsprechend auf Linie zu bringen, z.B.

GEW Baden-Württemberg: Broschüre (2018) Lesbisch, schwul, trans, hetero … Lebensweisen als Thema für die Schule. Handreichung für Pädagog_innen, hrsg. vom AK Lesbenpolitik im Vorstandsbereich Frauenpolitik der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg). Darin wird ein Unterrichtsentwurf für die 4. Klasse wie folgt eingeleitet: Die enge heteronormative und auf unseren Kulturraum bezogene Definition von (Kern-)Familie bezieht sich auf die beiden (heterosexuellen) Elternteile mit ihrem Kind oder ihren Kindern. Eine weiter gefasste Definition von Familie schließt alle Menschen ein, die in einer bestimmten Form zusammen leben und füreinander einstehen – mit oder ohne Kind. Ein Modul sieht vor: „Wohnung 3: Frau und Kind. Dies könnte eine alleinerziehende Mutter mit Kind sein, die bewusst allein lebt oder deren Partner gestorben ist oder die getrennt vom Vater des Kindes lebt“.

Beilage (2025) Sexuelle Bildung für alle? Die Bedeutsamkeit des Sachunterrichts für die Inklusion verschiedener Lebensrealitäten, darin: Sexualaufklärung, Sexualerziehung oder Sexuelle Bildung? In der Fachliteratur werden die Termini Sexuelle Bildung und Sexualpädagogik mitunter synonym verwendet, wenngleich sie unterschiedlich konnotiert und im historischen Kontext einzuordnen sind (Lache, 2018). Die Begriffe Sexualerziehung und Sexualaufklärung werden dabei zumeist der Sexualpädagogik zugeordnet, …. Die in den 1960er Jahren durch ‚Aufklärung‘ und ‚Befreiung‘ (Sielert, 2016) geprägten Stränge, welche sich auf rein kognitive und biologische Sexualaufklärung bezogen, erfuhren in den 1970er Jahren eine Verschiebung im Diskurs hinsichtlich der Prävention von sexuellem Missbrauch und sexuell übertragbaren Krankheiten in der fachlichen sowie öffentlichen Diskussion (Heck, 2024). „Seit 2000 wird der Begriff der Sexualpädagogik zunehmend von dem der Sexuellen Bildung abgelöst (Lache, 2018, S. 55), der ein umfassendes Verständnis von Bildungsprozessen über die gesamte Lebenspanne betont“ (Heck 2024, 99).

GEW Bayern: Die Einleitung zu einer im April 2026 angebotenen Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Let’s talk about sex“ lautet wie folgt: Bei der Vermittlung sexueller Bildungsinhalte greifen Lehrkräfte häufig auf Angebote externer Einrichtungen zurück. Nicht immer wird dabei deren inhaltliche und konzeptioneller Ausrichtung ausreichend überprüft. So nutzen zum Beispiel fundamental-christliche Organisationen der sogenannten Lebensschützer-Bewegung ihre vermeintlich „überparteilich und überkonfessionellen“ sexualpädagogischen Workshops als Einfallstor für ihre ultra-konservative Ideologie. Dazu gehört unter anderem die Propagierung eines heteronormativen Familienbildes sowie eines antifeministischen und queerfeindlichen Geschlechterbildes, was wir vor allem auch aus der rechtsextremen Szene kennen. Sexualkundeunterricht an Schulen wird somit zunehmend zum Schauplatz eines „Kulturkampfes“ – auf Kosten der Kinder und Jugendlichen. Die Ereignisse um den Pornografie-Skandal des externen Anbieters Die Falken. Sozialistische Jugend Deutschlands in Sachsen zeigen, wo die eigentliche Gefahr einer nicht ausreichend geprüften „inhaltlichen und konzeptionellen Ausrichtung“ liegt.

GEW Niedersachsen: Broschüre (2022) Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in Schule. Grundlagen, Fallbeispiele und Handlungsempfehlungen, darin: Das klassische Frau-Mann-Denken ist rechtlich überholt, weil die Gleichstellung von Menschen weiter greift. Doch das ist vielen noch nicht bewusst. Informationen werden benötigt, um Klarheit über rechtliche und sprachliche Grundlagen und den Paradigmenwechsel in der Betrachtung von Menschen hin zur Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt zu schaffen.

GEW Sachsen: Auf den Vortrag von 2024 zum Thema „Sexuelle Bildung in der Kita – (K)ein Tabuthema“ haben nur Mitglieder Zugriff, so dass sich interessierte Eltern keine Vorstellung davon machen können, welchen Ansatz die GEW diesbezüglich in Sachsen verfolgt.

GEW Thüringen: Handreichung (2021) Sexuelle Bildung VIELFALTSSENSIBEL GESTALTEN. Wissen, Reflexion, Methoden & Hinweise für Lehrkräfte in Sekundarstufe I und II. Fokus: geschlechtliche und sexuell-romantische Vielfalt, darin: Die GEW Thüringen setzt sich dafür ein, eine vielfaltssensible sexuelle Bildung in Lehrplänen, Materialien und der Lehrkräfteausbildung als Querschnittsthema zu implementieren. (…) Wir wünschen uns im Zuge der Broschüre eine deutliche Sichtbarkeit für die Anliegen der Lernenden in Bezug auf sexuelle Bildung sowie eine rege Diskussion um die Stärkung dieses Bereiches der Demokratie- und Menschenrechtsbildung in Thüringen.

LAMBDA

Das queere Jugendnetzwerk Lambda ist in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin-Brandenburg, Mitteldeutschland (Sachsen-Anhalt und Thüringen), Niedersachsen-Bremen und Norddeutschland (Schleswig-Holstein und Hamburg) vertreten. Verantwortet vom Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg e.V. werden vor Ort Projekte der sexuellen Bildung unter dem Label queer@school angeboten: „Arbeitsschwerpunkt des Anti-Diskriminierungs- und Empowermentprojekts ist es, … mehr Geschlechtergerechtigkeit und Sensibilität für sexuelle, romantische sowie geschlechtliche Vielfalt an Schulen zu bringen und den Einsatz gegen Homo-, Bi-, Trans* und Inter* – Diskriminierung für und mit Jugendlichen entscheidend voranzubringen.“

lust.voll.lernen

Der Name ist Programm: Das in Leipzig ansässige, 2023 gegründete lust.voll.lernen. Zentrum für Sexuelle Bildung und Beratung Für eine selbstbestimmte Sexualität und eine gewaltfreie Sexualkultur unter der Leitung der beiden isp-Sexualberater Franziska Hartung & Ralf Pampel betont den Lustaspekt der Sexualerziehung. Die Angebote zur sexuellen Bildung wie folgt begündet: Alle Menschen sind sexuelle Wesen – von Geburt an! Sexualität begleitet uns ein Leben lang auf unterschiedliche Weise und umfasst dabei weit mehr als „Geschlechtsverkehr“. Ob kindliche „Doktorspiele“, die erste Liebe, die Auseinandersetzung mit der sexuellen und geschlechtlichen Identität oder die Kommunikation der eigenen sexuellen Wünsche. Die „sexualpädagogischen Fachkräfte“ behandeln im Rahmen der entsprechenden Projekttage ab der Grundschule Themen wie „Worte und Sprache finden“, „Sexualität“, „Geschlechterrollen“, „Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt“ oder „Gesellschaftliche und Kulturelle Werte und Normen“. Dabei wird Wert darauf gelegt, regelmäßige sexualpädagogische Angebote zu installieren und Fachkräfte zu schulen, um „Sexuelle Bildung in der Einrichtung wirksam zu verankern“.

MIT SICHERHEIT VERLIEBT

Das deutschlandweit an 42 Standorten vertretene Sexualaufklärungsprojekt Mit Sicherheit Verliebt (MSV) – „Pille, Kondome und was kommt dann…“ wird von Studenten geleitet und richtet sich an Schüler der Jahrgangsstufen 6 bis 10, die die Themen Sexualität, Pubertät und Prävention ohne Anwesenheit des Lehrers mit interaktiven Methoden „spielerisch“ erarbeiten sollen. Sie sollen darin unterstützt werden, auf Grundlage der „neuesten Erkenntnisse der medizinischen Forschung“ „eine selbstbestimmte und reflektierte (gesunde) Beziehung zu ihrer Sexualität zu entwickeln“.

Hintergrundinformationen: Leitbild, Geschäftsordnung und Konzeptpapiere des Projektes Mit Sicherheit Verliebt.

Pro Familia

Warum ist bei Sexualaufklärungsprojekten von pro familia Vorsicht geboten?

Es ist davon auszugehen, dass die schulischen Sexualaufklärungsprojeke von pro familia nicht mit der nötigen weltanschaulichen Zurückhaltung durchgeführt und die Kinder und Jugendlichen einseitig im Sinne der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ beeinflusst werden, denn:

1. pro familia ist eine der führenden Lobbyorganisationen, die sich vehement für die Legalisierung von Abtreibung („Recht auf Abtreibung statt Beratungspflicht!“) einsetzen (→ vgl. hierzu auch Rechte und Sexualität. Schwangerschaftsabbruch).

2. pro familia orientiert sich in seiner (sexualpädagogischen) Arbeit an dem Konzept der „sexuellen und reproduktiven Gesundheit“ – tritt also vor allem für Abtreibung als Menschenrecht und legitimes Mittel der Familienplanung sowie für frei erhältliche Verhütungsmittel ein. Das Konzept der „reproduktiven Gesundheit“ beinhaltet zudem das „Recht“ auf Sexualaufklärung – die in allen Bundesländern zum selbsternannten staatlichen Bildungsauftrag gehört – und wird meist mit einer Antidiskriminierungsarbeit im Sinne der Propagierung von sexueller Vielfalt verknüpft.

3. pro familia beruft sich auf die sog. „emanzipatorische“, auf dem Lustprinzip basie­rende Sexualpädagogik in der Tradition des Pädophilenaktivisten Helmut Kentler.

4. pro familia orientiert sich an den Standards für die Sexualaufklärung in Europa der WHO/BZgA, denen zufolge beispielsweise die 0-4-Jährigen etwas über frühkindliche Masturbation lernen und Grundschulkinder über Themen wie „sexuelle Rechte von Kindern“, „Entscheidungen über Elternschaft und Schwangerschaft, Fruchtbarkeit und Adoption“ sowie den „positiven Einfluss von Sexualität auf Gesundheit und Wohlbefinden“ aufgeklärt werden.

5. pro familia postuliert Sexualaufklärung als Recht und versteht sie als umfassenden, rechte- und wertebasierten, ganzheitlichen Prozess, der über die reine Wissensvermittlung hinausgeht und gesamtgesellschaftlich gesehen werden muss. Damit verschiebt die Lobbyorganisation das Thema Sexualität aus dem privaten (geschützten) in den öffentlichen Bereich, so dass sich dem niemand mehr entziehen kann – vor allem Kinder und Jugendlichen nicht, die ständig mit diesem Thema konfrontiert werden (sollen). Für Jugendliche betreibt pro familia eine eigene Internetseite. Dort wird beispielsweise über Themen wie „Sex“ (Stichworte: Selbstbefriedigung, Petting, Das erste Mal, Sexting, Pornos), „Rechte und Sexualität“ (Stichworte u.a.: Sexualität leben, Recht auf Verhütungsmittel, Schwangerschaftsab­bruch, Heiraten oder nicht) oder „Anders ist normal“ informiert.

Weitere Informationen zu pro familia

Gefördert von: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Ländern und Kommunen. Fördersumme des BMFSFJ 2023: 1,934 Mio. EUR
Gründungsmitglied: International Planned Parenthood Federation (IPPF); Beteiligung an der Strategie-/Programmentwicklung der IPPF und Vertretung in deren Entscheidungsgremien
Mitglied: im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband
Betreibt: den Fachkräfte-Blog für sexuelle Bildung sexalog.de

Der 1952 in Kassel als „Deutsche Gesellschaft für Ehe und Familie“ gegründete pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e. V. Bundesverband tritt „für das Recht aller Menschen auf eine selbstbestimmte Sexualität ein und sieht seine Arbeit „im Kontext der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (SRGR), die sich aus den Menschenrechten herleiten.“

Der Lobbyverein pro familia betreibt über seine 16 Landesverbände ein Netz an ca. 200 Beratungsstellen, so dass er in ganz Deutschland vor Ort repräsentiert ist. Im April 2021 startete im pro familia Bundesverband das Projekt „Sexuelle und reproduktive Rechte KONKRET“. Dafür gibt es Ansprechpartner in den Landesverbänden Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Thüringen.

Sexuelle Bildung

„Dabei legt pro familia ihrer Arbeit ein Verständnis von emanzipatorischer Sexualpädagogik zugrunde, die – im Gegensatz zu repressiver Sexualpädagogik – sexualfreundlich ist und die selbstbestimmte Sexualität des Menschen fördert. (…)

Unterstützt werden die Veranstaltungen durch den Einsatz von PRO FAMILIA Broschüren, Auf-klärungs- und Fachliteratur, Filmen, Computern, spielpädagogischem Material und Verhütungsmitteln.“

Themen sexualpädagogischen Arbeitens:

In der sexualpädagogischen Arbeit pro familias können folgende Bereiche thematisiert wer-den:

  • psychosexuelle Entwicklung und sexuelle Sozialisation
  • das Geschlechterverhältnis mit seinen psychischen, sexuellen, kulturellen und sozio­ökonomischen Dimensionen
  • partnerschaftliches Verhalten und Kommunikation
  • sexuelle Orientierungen
  • psychodynamische Aspekte zu Körper, Lust und Sexualität
  • biologische und medizinische Aspekte zu Körper und Sexualität
  • Verhütungs – Methoden, Mittel und deren Wirkungsweisen
  • Schwangerschaft und Geburt, Schwangerschaftsabbruch
  • sexuell übertragbare Krankheiten und HIV/AIDS
  • interkulturelle Aspekte zu Sexualität und Partnerschaft
  • Sexualität und Behinderung
  • sexuelle Belästigung in der Schule sowie in Ausbildung und Beruf
  • sexualisierte Gewalt
  • Pornographie und Prostitution
  • Transsexualität, Intersexualität
  • Sexualerziehung in der Familie, in Schulen und anderen pädagogischen Einrichtungen.

Informationen für Jugendliche im Internetangebot von pro familia

Dein Recht, Sexualität zu leben

„Sexualität kann ganz verschieden sein. Dazu gehören intensives Kuscheln, Streicheln, Petting, Selbstbefriedigung, also Solosex, vaginaler Geschlechtsverkehr und andere sexuelle Praktiken.

In Deutschland dürfen Jugendliche ab 14 Jahren Sex mit jemand anderem haben, vorausgesetzt, dass beide es wollen und nicht dazu gedrängt oder gezwungen werden. Das gilt für jeden Sex, egal zwischen welchen Geschlechtern.

Um Kinder zu schützen, verbietet das Gesetz sexuelle Handlungen mit Kindern unter 14 Jahren. Bis zum Alter von 18 Jahren kann Sex in besonderen Fällen verboten sein. Es kommt dabei auf den Altersunterschied und das Verhältnis der beiden Personen an (z.B. ist Sex zwischen Minderjährigen und Lehrer*nnen/Ausbilder*nnen verboten, weil eine gewissen Abhängigkeit besteht).

Für alle sexuellen Handlungen – egal in welchem Alter – gilt: FREIWILLIGKEIT !! Niemand darf dazu gezwungen werden.

Die Rechte, die für dich gelten, gelten auch für die anderen. Respektiere also die Entschei­dun­gen und Einstellungen anderer, wenn es um Sexualität geht.”

Deine Rechte als Mädchen bei (ungewollter) Schwangerschaft und bei einem Schwangerschaftsabbruch

„Auch Mädchen unter 18 Jahren steht grundsätzlich die Möglichkeit offen, eine ungewollte Schwangerschaft straffrei abbrechen zu können. Es gelten die gleichen gesetzlichen Voraussetzungen wie bei Volljährigen, das heißt, man muss sich vor einem Abbruch rechtzeitig beraten lassen oder es muss ein sehr wichtiger Grund – wie beispielsweise eine Vergewaltigung – für den Abbruch bestehen.

Bei über 16 Jahren alten Mädchen geht man meistens davon aus, dass sie selbst entschei­den können, ob sie eine Schwangerschaft abbrechen möchten oder nicht, auch ohne die Eltern zu fragen.

Wenn du zwischen 14 und 16 Jahren alt bist, wird die Ärztin oder der Arzt vielleicht die Zustimmung deiner Eltern oder zumindest von einem Elternteil für den Schwangerschaftsabbruch einholen wollen. Das hängt davon ab, ob die Ärztin oder der Arzt der Ansicht ist, dass du reif genug bist (im Gesetz steht dafür der Ausdruck „Einsichtsfähigkeit“), diese Entscheidung zu treffen.

Wenn du dich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidest, hast du das Recht auf umfassende Beratung, angemessene ärztliche Versorgung und respektvolle Behandlung. In der Beratung können auch der potentiell werdende Vater oder auch deine Eltern anwesend sein, wenn du das möchtest.

Auch nach dem Schwangerschaftsabbruch kannst du dich beraten und unterstützen lassen, beispielsweise in einer pro familia-Beratungsstelle.

Gegen ihren Willen dürfen Mädchen und Frauen, auch wenn sie noch nicht 18 Jahre alt sind, nicht von ihren Eltern oder anderen Personen dazu gezwungen werden, eine Schwangerschaft abzubrechen oder auszutragen.“

Sexualpädagogische Materialien von pro familia

Auf der Online-Plattform des Instituts für Sexualpädagogik (isp) bietet pro familia in der Rubrik Arbeitsmaterialien von Profis für Profis verschiedene sexualpädagogische Materia-lien an, wie beispielsweise:

pro familia Landesverband NRW e.V.: ein 6-teiliges, aus massiven Holz gefertigtes „Holz-Penis-Set“ („als Anschauungsmaterial zur Verdeutlichung und Einschätzung von Größenver-hältnissen, zu Demonstrationszwecken für die sachgerechte Anwendung von Kondomen und zur Veranschaulichung von Sitz und Passform von Kondomen“)

pro familia Saarbrücken: Bildkarten für die sexualpädagogische Arbeit „Da nehme ich einfach die Pille…“ („Diese Methode – mit guter Eignung auch für Gruppen mit besonderem Förderbedarf – regt anhand von Foto-Arbeitsblättern Kommunikation und Interaktion zum Thema Pille (Beschaffung, Anwendung, Fehlerquellen bis zur „Pille-danach“) an.“). Desweiteren bietet dieser Landesverband mit der Broschüre „Sexuelle Bildung – Auf dem Weg zu einem sexualpädagogischen Konzept“ eine „Handreichung für Träger / Leitungen / Erzieher*innen im Vorschulbereich“ an.

pro familia Landesverband Sachsen e.V.: ein mit detailgenauen Zeichnungen versehenes Informationsheft in leichter Sprache über „Die Wahrheit über das Jungfern-Häutchen“.

QUEER@SCHOOL

Die Workshops im Rahmen des Projekts queer@school „unterstützt Menschen in Bildungseinrichtungen dabei, Sensibilisierung für Anti_Diskriminierung zu schaffen!“ und wird vom Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg e.V. verantwortet.

Das Projekt wird von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sowie von der Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt“ (IGSV) gefördert.

Die Konzeptbeschreibung von queer@school verdeutlicht den umfassenden, „Intersektionalität“ genannten Ansatz vieler Schulprojekte sexueller Bildung, bei dem es nicht alleine um Sexualaufklärung, sondern um einen ganzheitlichen Erziehungsansatz im Sinne der geschlechtlichen und sexuellen Minderheiten, ihrer (Mehrfach-) Diskriminierung und der als „Demokratiebildung“ bezeichneten Förderung ihrer Akzeptanz geht.

Haltung und pädagogische Prinzipien

Wir sehen und erleben eine plurale, diverse Gesellschaft, und wollen mit unserem Projekt der tatsächlichen Vielfalt gerecht werden. queer@school ist es wichtig, zu berücksichtigen, dass die Identität eines Menschen aus mehr Merkmalen als Geschlecht, sexuelle und romantische Orientierung besteht, die ineinandergreifen und zusammenwirken. So erleben viele LSBTIQA*-Menschen zum Beispiel auch durch verschiedene Rassismen, Antisemitismus, Klassismus, Ableismus, Sexismus, Adultismus, Fettfeindlichkeit, Body-Shaming etc. interpersonelle, institutionelle und strukturelle Benachteiligungen. Wir versuchen in unserer Sprache, unseren Beispielen, Methoden und Didaktik, Mehrfachdiskriminierung mitzudenken und zu erklären. Diese Herangehensweise ist als Intersektionalität bekannt.

Um diese Ziele in der Praxis zu verankern, wollen wir demokratische Strukturen an Schulen fördern und junge Menschen zum demokratischen Handeln ermutigen. (…). Der Ansatz der Demokratiebildung ist für dieses Vorgehen grundlegend.

Das Besondere an unserem Projekt ist, dass wir nach dem Peer-to-Peer Ansatz arbeiten. Das bedeutet, dass junge Menschen von jungen ehrenamtlichen Menschen (19 bis 27 Jahre) lernen, bzw. queere Menschen von queeren Menschen. Unser Anti-Diskriminierungs- und Empowermentprojekt will mehr Wissen über sexuelle, romantische und geschlechtliche Vielfalt in Bildungseinrichtungen bringen sowie Homo-, Bi-, Trans- und Inter-Diskriminierung gemeinsam mit Jugendlichen entgegenwirken. (…)

SCHLAU-NETZWERK

Der Verein SCHLAU NRW wird vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration gefördert, sein Träger ist das Queere Netzwerk e.V. Er ist seit Jahrzehnten ein führender Anbieter und Verbreiter von „Bildungs- und Antidiskriminierungsarbeit zu sexueller, romantischer und geschlechtlicher Vielfalt“ in Deutschland mit eigenen Gliederungen in einzelnen Bundesländern, für deren Schulworkshops gemeinsame „Standards“ gelten.

SCHLAU Hessen

SCHLAU Niedersachsen

SCHLAU Rheinland-Pfalz

SCHLAU Schleswig-Holstein

STARKE KINDER KISTE (FÜR KITAS)

Die Starke Kinder Kiste – Das ECHTE SCHÄTZE! Präventionsprogramm ist ein Projekt der Hänsel und Gretel Deutsche Kinderschutzstiftung in Kooperation mit dem PETZE Institut zum Schutz vor sexuellem Missbrauch für KITA-Kinder in Deutschland:

Mit der STARKE KINDER KISTE werden KITA-Kinder spielerisch mit den eigenen Grenzen und Gefühlen vertraut gemacht und gestärkt. Häufig beginnt sexueller Missbrauch schon im Vorschulalter. Deshalb ist es wichtig, Kinder so früh wie möglich zu informieren und stark zu machen. KITAS sind neben der Familie die erste Sozialisationsinstanz und sehr gut geeignet, den Schutz vor sexuellem Missbrauch und sexuellen Übergriffen zu verbessern.“

Die Kinderkiste enthält zwei Geheimnissäcke, um zwischen guten und schlechten Geheimnissen und angenehmen und unangenehmen Gefühlen unterscheiden zu lernen . Eltern sollten sich informieren, was sie enthalten.