„Sexuelle Bildung“ wird Programm in Berliner Kitas

Vor einem Jahr präsentierte Berlin den Entwurf zu einem Kita-Programm, das komplett ohne Sexualpädagogik auskam – ganz im Gegensatz zu früheren Versionen. In der endgültigen Fassung ist die „sexuelle Bildung“ kleiner Kinder nun doch wieder ein Thema.

BERLIN. Die Landesregierung Berlin hat Anfang Juni das endgültige Bildungsprogramm für ihre städtischen Kindertagesstätten veröffentlicht. Im Gegensatz zum Zwischenentwurf von 2025 ist nun ein Kapitel zur „Sexualentwicklung und -pädagogik“ enthalten. Bisher galt das „Berliner Bildungsprogramm für Kitas und Kindertagespflege“ aus dem Jahr 2014.

Im 2014er-Programm waren die Einflüsse der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ und queerer NGOs noch penetrant enthalten. Ebenso in einem Entwurf von 2024, den die Junge Freiheit enthüllt hatte. Das öffentlichkeitswirksame Leak über „Sexräume für Kita-Kinder“ sorgte vermutlich dafür, dass im überarbeiteten Entwurf von 2025 in keinem Satz mehr von Sexualpädagogik die Rede war. Dies wiederum rief etwa die Berliner SPD und den Lesben- und Schwulenverband (LSVD) auf den Plan, die gerne bei Inhalten wie in der 2024er-Version geblieben wären (DFA berichtete).

Ebenso hatte sich damals der Deutsche Kitaverband für das Beibehalten solcher Themen wie „Diversität“ und „sexualpädagogische Bildung“ ausgesprochen. Der Dachverband der Berliner Kinder- und Schülerläden sprach sogar von einer „Tabuisierung von ‘untenrum‘“, die in keiner Weise „einem aufgeklärten und zeitgemäßen Umgang mit kindlicher Körpererkundung“ entspreche.

Begriff „kindliche Sexualität“ bleibt

Das Ergebnis ist ein Bildungsprogramm, das hinsichtlich der Sexualpädagogik-Frage von zwei Seiten massiven Druck erfahren hat. So verzichtet es zwar auf etliche Reizwörter und auf Formulierungen, wie „das Genießen von Lustgefühlen am eigenen Körper“, was angeblich zu einer gesunden physischen und psychischen Entwicklung im Kindesalter gehöre. Auch werden Pädagogen nicht mehr aufgefordert, „eine sexualfreundliche und sinnesfördernde Haltung zu entwickeln“.

Doch nach wie vor erwähnt das Bildungsprogramm eine „sexuelle Entwicklung“ im Kindesalter weit vor der Pubertät, die mit „sexueller Bildung“ zu begleiten sei. Auf den Begriff „kindliche Sexualität“ will man nicht verzichten. Das führt auch hier zu der unangebrachten aber in sämtlichen sexualpädagogischen Konzepten enthaltenen Unterscheidung von „kindlicher“ und „erwachsener“ Sexualität. Eine Unterscheidung, die von vornherein jeglicher medizinisch-empirischer Grundlage entbehrt. Die Maßgabe, „die Sexualentwicklung der Kinder auf der Grundlage fundierten entwicklungspsychologischen Wissens sensibel zu begleiten“, läuft nämlich ins Leere. Denn die Entwicklungspsychologie bringt Kinder nicht mit dem Begriff „Sexualität“ in Verbindung.

„Sensibler Austausch mit Familien unverzichtbar“

Zu den „Doktorspielen“ findet sich nur ein relevanter Satz: „Wenn Kinder im Spiel ihren Körper entdecken, unterstützen klare, gemeinsam vereinbarte Regeln ein achtsames Miteinander.“ Ausführlicher wird hingegen der Austausch mit den Eltern zu sexualpädagogischen Fragen gefordert:

Es ist zu berücksichtigen, dass Familien unterschiedliche Sichtweisen auf kindliche Sexualität haben, geprägt durch kulturelle, soziale und persönliche Hintergründe. Ein sensibler Austausch mit den Familien ist daher unverzichtbar – stets mit dem Fokus auf die gesunde Entwicklung des Kindes sowie seine indivi­duellen Bedürfnisse und Ausdrucksformen.“

Ein gewisser Interpretationsspielraum im Sinne der „sexuellen Bildung“ lässt sich erkennen: Fallen unter die „gesunde Entwicklung des Kindes sowie seine indivi­duellen Bedürfnisse“ etwa auch „Körpererkundungsspiele“ und dergleichen, was dann vom Kita-Personal höher priorisiert werden soll als die „Sichtweisen“ der Eltern? Ausgehend von der ursprünglichen Version des Bildungsprogramms aus dem Jahr 2014 und dem ersten Entwurf der Neufassung aus dem Jahr 2024 fällt das endgültige Ergebnis allerdings eher im Sinne der Eltern aus, die ihre Kinder vor einer übergriffigen Sexualpädagogik schützen wollen.

Es ist ein kleiner Erfolg, auch wenn es am Ende nicht bei jener Fassung blieb, die auf jeglichen sexualpädagogischen Einfluss verzichtet. Doch den versammelten woken und queeren NGOs und Verbänden ist es nicht gelungen, den Verfassern der finalen Version ihre Sicht auf Kinder als „sexuelle Wesen“ gänzlich in die Feder zu diktieren.

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