Für die Familien- und Geschlechtserziehung in Baden-Württemberg gilt, dass sie frei von Indoktrination und nicht Gegenstand von Leistungserhebungen sein soll. Zudem dürfen nur die vom Kultusministerium zugelassenen Schulbücher verwendet werden. Ungeachtet dessen gehört der Themenbereich Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt (BTV) zu den Leitperspektiven schulischer Erziehung, und auf dem Landesbildungsserver finden sich zahlreiche Informationen zum Thema Lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter*, asexuelle, nichtbinäre und queere Menschen in der Schule.
Für den Kita-Bereich gilt der neue Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege in Baden-Württemberg von 2025. Dieser ist im Hinblick auf das Thema „sexuelle Bildung“ sehr zurückhaltend. Auch finden sich darin keine Vorgaben, dass Kindertagesstätten neben dem obligatorischen Gewaltschutz- auch ein sexualpädagogisches Konzept zu erstellen haben.
Kita
Obwohl Kindertagesstätten nicht zur Einführung eines sexualpädagogischen Konzeptes verpflichtet sind, werden dort unter dem Deckmantel der Missbrauchsprävention immer häufiger derartige Konzepte eingeführt. Kinder, die sich in diesem frühen Alter noch nicht einmal adäquat sprachlich äußern können, ungefragt und permanent mit sexuellen Themen zu konfrontieren, ist übergriffig, verletzt ihre Intimsphäre und lädt explizit zum Ausprobieren in Rückzugsräumen ein. Hier wird die Aufsichtspflicht verletzt und Missbrauch billigend in Kauf genommen.
Schutzkonzept der Kindergruppe Nikolausstrasse e.V. / Pädagogische Konzeption der Kindergruppe Nikolausstrasse e.V. (Stuttgart)
Sexualpädagogisches Konzept (Kath. Kindergarten St. Johannes, Schwäbisch Hall)
Schwäbisch Hall führt sexualpädagogisches Konzept ein (2025)
Konzept (Evangel. Kindertagesstätte Möttlingen)
Sexualpädagogisches Konzept (Bauernhof-Kindergarten e.V., Langenau)
Schule
Sexualpädagogische Leitlinien
Elternberichte
- Der Film von Peter Mayle „Wo komm ich eigentlich her?“ wurde in einer 4. Klasse gezeigt. Bericht eines Vaters: „Der Geschlechtsakt wird 5 Minuten gezeigt und detailliert mit Gefühlen und wo die genau sind beschrieben. Es werden dabei auch kindliche Gefühle wie gekitzelt werden und Niesen im Zusammenhang mit dem Geschlechtsakt gebracht. Auch wenn nur gezeichnete Figuren gezeigt werden…werden die Kinder hier für sexuelle Handlungen sehr neugierig gemacht. (…) Im Elternbrief wurden wir schon davor gewarnt, das es zu Übersprungshandlungen kommen kann in Form von Albernheiten Gelächter oder vulgärer Sprachäußerungen.“
- Unterricht 4. Klasse Gesamtschule: Eltern sind entsetzt von explizitem Sexualkundeunterricht und wenden sich mit Brief an Kultusminister. Daraus: „Einführung von primär sexualbezogenen Begriffen, die weder zwingend notwendig sind, Biologie zu vermitteln und die den Kindern zuvor im Wesentlichen unbekannt waren und teils zur Verstörung und Ekel führten, wie „Lusttropfen“, „Onanie“, „Orgasmus“ „selbst befriedigen“, „Kitzler“, „der Kitzler sieht wie eine kleine Perle aus“, „Jungfernhäutchen beim ersten Sex meist eingedrückt“…
- Unterricht 4. Klasse Grundschule: Nach Sexualkundeunterricht berichtete das Kind etwas verwirrt, er wisse jetzt, wie sich Lesben befriedigen und dass sie sich dabei „mit der Zunge lecken“ würden.
- Prüfungslektüre in 10. Klasse Realschule: „Zweier Ohne“ von Dirk Kurbjuweit – etlichen Stellen Sexszenen unter Jugendlichen ziemlich deutlich beschreibt und auch Bisexualitätvöllig wertfrei darstellt. Beschrieben werden auch Szenen mit Selbstmordlust und eine makabre Szene, in der die Totenruhe eines Selbstmörders gestört wird.
- In einer 8 Kl. wurden Medizinstudenten zur Aufklärungsstunde eingeladen, die den Schülern Material gaben mit der Abnahme des Versprechens, dieses nicht den Eltern zu zeigen und auch über das Vermittelte nichts zu erzählen. Dazu gehörten dann auch Übungen mit Kondomen etc. auf der Toilette.
- Ein Kindergarten aus dem Raum Stuttgart besucht ohne vorheriger Absprache mit den Eltern das Theaterstück „König und König“, in dem es um einen Prinzen geht, der heiraten soll. Er nimmt aber keine der möglichen Prinzessinnen zur Frau, sondern möchte einen der mit angereisten Brüder heiraten. Eltern protestieren gegen diese Vorgehensweise und setzen durch, daß sie in Zukunft über die Ausflugsziele und -inhalte informiert werden müssen.
- Das Theater „Tempus Fugit“ aus Lörrach kommt seit Jahrzehnten an diverse Schulen in der Region und spielt dort u.a. das Stück „My Space„, in dem es um sexuelle Gewalt geht. Eltern einer sechsten Klasse beschwerten sich massiv bei der Schulleitung über das Stück, nachdem die Kinder über sehr verstörende Inhalte, unpassende Sprache und insgesamt einen grenzüberschreitenden Umgang mit ihnen während der Aufführung berichtet haben.
- Aidshilfe Stuttgart übernimmt auch Aufklärungsunterricht in Schulen. Uns kontaktieren die Eltern einer geschockten Schülerin, die über einen respektlosen, abfällige Bemerkungen machenden und pädagogisch inkompetenten Mitarbeiter des Vereins berichtet, der unter anderem Kondom-Überzieh-Übungen mit den Siebtklässlern gemacht hat und die gesamte Klasse verstört zurückgelassen hat. Die Klassenlehrerin war währenddessen nicht anwesend.
Rechtslage in Baden-Württemberg
Sie als Eltern haben umfassende, gesetzlich geregelte Rechte im Zusammenhang mit der Sexualerziehung in Kita und Schule. Diese sollten Sie zum Wohle Ihres Kindes auch einfordern.
Immer häufiger wird der Aufklärungsunterricht an Schulen oder Teile des Unterrichts von sogenannten LSBTIQ-Gruppen durchgeführt – oft ohne die Anwesenheit des Lehrers. LSBTIQ steht für lesbisch, schwul, bi, transsexuell, intersexuell und queer. Queere Bildung will LSBTIQ-Lebensweisen in den Schulen z.B. durch “Authentische Begegnungen mit LSBTIQ*-Aufklärer_innen” erfahrbar machen. In Baden-Württemberg wird dies u.a. durch folgende Projekte verwirklicht:
kaba-reh Production
kaba-reh Production aus Stuttgart führt Theaterstücke mit queeren Inhalten für Kinder ab 2 Jahren auf. Das Stück „Der Die Das Schnecke“ ist „Kindertheater für die Allerkleinsten von 2 bis 10 Jahren“ und beinhaltet die „spielerische Suche mit Musik über Identität, Individualität und Akzeptanz.“ Für Kinder ab 12 Jahren bietet das Repertoire folgende Lernstücke zur Aufführung in Schulklassen, Jugendzentren, Lokale, Bibliotheken oder Theater: „Coming Out!“ (Themen: Toleranz, Homosexualität) – und „LiebesLeben“ (Thema: HIV).
pro familia Baden-Württemberg
Die Sexualpädagogik von pro familia Baden-Württemberg – mit 22 Beratungsstellen einer der größten Anbieter von „sexueller Bildung“ in Baden-Württemberg – ist in einer Konzeption festgehalten und entspricht der des pro familia Bundesverbands.
Zielgruppen sind Schüler aller Schulformen. Sie sollen meist in Abwesenheit des Lehrers „Offenheit, Neugier und Akzeptanz gegenüber unterschiedlichen Lebensweisen“ entwickeln. Die Methoden beinhalten „Körperarbeit“, „soziale und kreative Gruppenarbeit“, „Elemente aus erfahrungsorientierter Spiel-, Theater- und Erlebnispädagogik“, „themenzentrierte Interaktions- und Rollenspiele“ sowie „Biographiearbeit und Methoden der Selbstreflexion“. Filme und Verhütungsmittel bieten weitere Anregung zur Umsetzung des Erlernten.
Einen besonderen Augenmerk legt pro familia auf ihr Peer-education-Projekt „pro familia goes Festival“. Beim pro familia goes Southside in Neuhausen ob Eck sorgten „pro familia ‚sexeducators‘, junge Ehrenamtliche, … zusammen mit Sexualpädagoginnen von pro familia mit vielen Aktionen für Auffrischung in Sachen Aufklärung“.
queerKAstle e.V.
Der vom Bundesfamilienministerium im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie Leben geförderte Verein queerKAstle bietet Workshops für Schulen in und um Karlsruhe (Bruchsal, Bretten, Rastatt, Baden-Baden und Pforzheim) zu den Themen sexuelle Orientierung, Vielfalt von Identität, Geschlechterrollen oder Anti-Diskriminierung an:
LSBTQIA* – Was heißt das eigentlich? Und hängen geschlechtliche Vielfalt und sexuelle Orientierung zusammen oder nicht? Mit interaktiven Methoden und gestützt von autobiographischen Erzählungen der queeren Teamenden lernen Schüler*innen ab Klasse 8 in drei Schulstunden mehr über queere Identitäten und Lebensweisen, Vorurteile und Diskriminierung von queeren Menschen und was sie dagegen tun können. Durch die Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz für Vielfalt“ stehen diese Klassenworkshops in einem konkreten Bezug zum Bildungsplan des Landes Baden-Württemberg.
THEATERKOLLEKTIV RaumZeit
Das THEATERKOLLEKTIV RaumZeit bietet Theater- und sogenannte Live-Hörspiel-Inszenierungen zu queeren Themen für Schulklassen ab sechs Jahren an:
Grundschüler 6-10 Jahre: „Als die Welt rückwärts gehen lernte: Live-Hörstück für Kinder und deren Bezugspersonen und Lehrer*innen“.
4. Klasse: „Der Mond kennt keine Grenzen. Live-Hörspiel über Freundschaft, Mut und Vertrauen.“ Das Stück ist „Teil einer Kombination mit Workshops von FLUSS e.V. mit dem Titel ReflAct Mini“: das Live-Hörspiel „Der Mond kennt keine Grenzen“ beschäftigt sich mit der Lebenswelt von Kindern, die nicht ins Bild einer heteronormativ geprägten und in binäre (Frau/Mann) Geschlechterrollen aufgeteilte Gesellschaft passen und sich darin auch nicht wiederfinden. Es setzt sich kritisch, aber kindgerecht mit diesem Gesellschaftsbild auseinander und zeigt, was es gerade auch für junge Menschen bedeutet, eine marginalisierte Position innerhalb dieses fest zementierten Weltbildes einzunehmen.
7.-10. Klasse: „Das Gesetz der Schwerkraft. Queeres Jugendstück als Live-Hörspiel“ Das Stück ist „Teil einer Kombination mit Workshops von FLUSS e.V. mit dem Titel ReflAct Mini.“: Es ist die Geschichte von Dom und Fred, zwei 14-Jährigen, die verschiedener und gleichartiger nicht sein könnten. Dom, die*der als Mädchen geboren wurde, sich aber gerne wie ein Junge kleidet, lehnt das gesamte Konzept von Geschlechterrollen ab. Fred, der durchweg homosexuelle Tendenzen zeigt, will einfach nur ein „normaler“ Junge sein. Beide schmieden den Plan, die Kleinstadt, in der sie wohnen, zu verlassen, die Brücke zu überqueren, die sie in eine utopische Großstadt und zur Erfüllung ihrer Wünsche führen soll. Ihr Weg dorthin ist geprägt von Diskriminierung, Ausgrenzung und falschen Freunden. Trotzdem legen sie ihn zurück. Gemeinsam überschreiten sie die Brücke, die so viel mehr bedeutet, als einfach nur die Überquerung eines Gewässers.
ab 16 Jahre: „prinzip Katamaran. Ein Theaterstück für Jugendliche.“ – Das Theaterstück erzählt die Geschichte von Toni Silberstein, bei der Geburt als weiblich identifiziert, die*der sich aber schon als Kind weder als Junge noch als Mädchen gefühlt hat. Von ihrer*seiner Umgebung mit Unverständnis und Ignoranz gestraft, erschafft sie*er sich eine eigene Identität und sucht sich eine neue Heimat jenseits der binären Welt von Mann und Frau.
ZeSIA – Zentrum für sexuelle Gesundheit, Identität und Aufklärung Karlsruhe
Das ZeSIA bietet Dialog-Workshops für Schüler:innen, Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Stadt- und Landkreis Karlsruhe, Baden-Baden und Rastatt.
Zu den angebotenen Modulen „Sexuelle Gesundheit“ und „Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ der 2-3stündigen Schulstunden gehören unter anderem Informationen zu Übertragungswegen von STI, Schutz- und Testmöglichkeiten, ein Kondomtraining, Grundwissen zu sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten, Vorurteile und Klischees gegenüber queeren Menschen sowie Förderung von Respekt und Akzeptanz.
ÄHNLICHE PROJEKTE
- FLUSS e.V. Freiburg
Der Verein FLUSS e.V. ist ein Anbieter „queerer Bildungsarbeit und Beratung zu Geschlecht & sexueller und romantischer Orientierung“. „Das Herzstück unserer Vereinsarbeit ist der Schulbesuch.“ Mit einem autobiographischen Ansatz bringt das queere Team folgende Themen in die Schulen: „Reflexion von Geschlechterrollen und eigenen Sozialisationserfahrungen, queere Lebensweisen, Coming-out und Homo- und Trans*feindlichkeiten.“ - Mädchen*treff Tübingen e.V.
Der feministische und queere Verein Mädchen*treff Tübingen e.V. arbeitet hauptsächlich in der außerschulischen Jugendbildung und organisiert aber, wie sämtliche Vereine aus dieser Kategorie, auch Schul-Workshops, um auf sich aufmerksam zu machen. „Ein zentraler Ansatz ist dabei die Ausbildung von Peer-Begleiterinnen, die als Vorbilder und Moderatorinnen Safer-Space-Treffen und Workshops leiten.“ Zuletzt liegt der Fokus des Vereins auf „queeren geflüchteten Mädchen*“. Der Verein bietet zweimal wöchentlich einen Offenen Treff für Grundschülerinnen* an. - PLUS Rhein-Neckar e.V.
Der Verein PLUS Rhein-Neckar e.V. bietet Workshops für Schulklassen und Jugendgruppen (6.-10. Klasse) „rund um Themen der Vielfalt von Geschlecht und sexueller Orientierung für Schulklassen und Multiplikator*innen“ an. Das Angebot nennt sich „Power up“ und ist hier einsehbar. - Regenbogen.Bildung.Stuttgart
Regenbogen.Bildung.Stuttgart ist eine Initiative des FETZ e.V. und des und des Weissenburg e.V., beides Mitglieder in DER PARITÄTISCHE. Angeboten werden „Präventions-Workshops zum Thema Queerness sowie Vielfalt von Geschlecht, sexueller bzw. romantischer Orientierungen und queeren Lebensweisen“. Zielgruppe sind Schulklassen ab der 7. Klasse aller Schulformen. Über den Peer-to-Peer Ansatz soll unter Jugendlichen ein offener Austausch entstehen: „Wir erzählen aus unseren eigenen queeren Biografien und beantworten gerne auch persönliche Fragen.“ Dazu gibt es auch einen Warnhinweis: „Wichtig: Für Gruppen mit überwiegend queerfeindlicher Einstellung ist unser Angebot nicht geeignet!“ - Young and Queer Ulm e.V.
Der Ulmer Verein Young and Queer verbreitet seine Ansichten zur Transgender und queeren Lebensweisen mit interaktiven Workshops ab 6 Jahren. In weiterführenden Schulen „erarbeiten wir die zentralen Begriffe „Sexualität“ und „Geschlecht“ aus biologischer und gesellschaftlicher Sicht.“
