Das sachsen-anhaltinische Schulgesetz enthält keinen Passus zur Sexualerziehung. Diese wird per Runderlass geregelt und im Rahmen der schulischen „Gesundheitsförderung“ auf Basis der WHO-Defini-tion von Gesundheit als „Zustand körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens“ erteilt. Leitprinzip ist das Thema der sexuellen Identität: „Die sexuelle Orientierung des Einzelnen ist Ausdrucks-form der sexuellen Identität; sie beinhaltet die Richtung des geschlechtlichen Begehrens sowohl in Bezug auf sexuelle Lust als auch auf Partnerschaft und Liebe.“
Im Kita-Bereich kommt ein Bildungsprogramm (Fortschreibung 2025) zur Anwendung, das sehr klare Aussagen zur gewünschten „sexualfreundlichen pädagogischen Haltung“ enthält: „Sexuelle Bildung findet in der Kindertageseinrichtung immer statt – ob bewusst oder unbewusst.“ Dabei wird Kindern eine eigene frühe, emotionslose Sexualität unterstellt: „Kindliche Sexualität ist geprägt von Neugier und dem Entdecken des eigenen Körpers sowie der eigenen Identität, während Erwachsenensexualität komplexere emotionale und soziale Aspekte umfasst“. Dementsprechend sorgen „pädagogische Fachkräfte dafür, dass Räume und Zeiten für das Spiel gegeben sind und [sie] gestalten gemeinsam mit den Kindern eine anregende Umgebung, die zum ausgelassenen, lustvollen Spielen einlädt“. Zudem bräuchten „Kinder … ungestörte, aber dennoch sichere Rückzugsräume, um unter Gleichaltrigen ihre sich entwickelnde Identität mit dem dazugehörigen Verhalten, den Rollen und Konfliktlösungsstrategien auszuprobieren.
Kita
Obwohl Kindertagesstätten nicht zur Einführung eines sexualpädagogischen Konzeptes verpflichtet sind, werden dort unter dem Deckmantel der Missbrauchsprävention immer häufiger derartige Konzepte eingeführt. Kinder, die sich in diesem frühen Alter noch nicht einmal adäquat sprachlich äußern können, ungefragt und permanent mit sexuellen Themen zu konfrontieren, ist übergriffig, verletzt ihre Intimsphäre und lädt explizit zum Ausprobieren in Rückzugs-räumen ein. Hier wird die Aufsichtspflicht verletzt und Missbrauch billigend in Kauf genommen.
Sexualpädagogisches Konzept (Kita Sonnenschein, Seeland)
Gewaltschutzkonzept für die Kindertagesstätten und Horte der Stadt Sandersdorf-Brehna
Kompetenzzentrum geschlechtergerechte Kinder- und Jugendhilfe (KgKJH):
Medienkoffer „Geschlechtervielfalt in Einrichtungen der frühkindlichen Bildungen, in Grundschulen und Horten. Das Ziel: „Kinder[n] bereits ab dem Kindergartenalter die Chance zu bieten, die Vielfalt von Geschlechtern sowie Lebens- und Familienformen wertschätzend kennenzulernen, um der Entwicklung von Vorurteilen entge-genzuwirken.“ Für die Altersgruppe der 3-6-Jährigen ist die Darstellung vielfältiger Lebensweisen vorgesehen. Für sie enthält der Medienkoffer „altersgerechte Kinderbücher sowie Spiele (bsp. Familienmemory). Zusätzlich sind zwei Plüschtiere (Schnecke und Pferd) sowie Puzzle, ein Familienausmalbuch und eine Regenbogenflagge unter den Materialien zu finden. (…) Die Materialien richten sich an die Arbeit mit Kindern zwischen 3 und 6 Jahren. Für jün-gere Kinder wird ein Krippenbeutel mit angeboten, der ausgewählte Pappbücher enthält.“
Bücherliste „Geschlechter- und Familienvielfalt“ mit Empfehlungen für Kinder von 3 bis 8 Jahren, darunter:
ab 3 Jahre: MAXIME WILL EIN GESCHWISTER. „Das Buch liefert altersgerechte Informationen rund um die Themen (gleichgeschlechtliche) Liebe und (Regenbogen-) Familie.“
ab 4 Jahre: JILL IST ANDERS (über das „intergeschlechtliche Kind Jill, das neu in die Kindergartengruppe kommt“) oder WIE ENTSTEHT EIN BABY? „Ein Buch für jede Art von Familie und jede Art von Kind“.
ab 5 Jahre: ALLES FAMILIE! „Vom Kind der neuen Freundin vom Bruder von Papas früherer Frau und anderen Verwandten“ oder das von der Drag-Queen Olivia Jones verfasste Buch „KEINE ANGST IN ANDERSRUM – EINE GESCHICHTE VOM ANDEREN UFER“.
Schule
Aus Schulmaterialien
- Das Kompetenzzentrum geschlechtergerechte Kinder- und Jugendhilfe (KgKJH) veröffentlicht eine Bücherliste „Ge-schlechter- und Familienvielfalt“ mit Empfehlungen für Kinder von 3 bis 8 Jahren, aufgeteilt in Kinderbücher zu Geschlechtervielfalt, Kinderbücher zu Familienformen und Kinderbücher zu Toleranz. Ebenso stellt das Kompetenz-zentrum einen Medienkoffer „Geschlechtervielfalt in Einrichtungen der frühkindlichen Bildungen, in Grund-schulen und Horten“ zur Verfügung, dessen Ziel es ist, „Kinder[n] bereits ab dem Kindergartenalter die Chance zu bieten, die Vielfalt von Geschlechtern sowie Lebens- und Familienformen wertschätzend kennenzulernen, um der Entwicklung von Vorurteilen entgegenzu-wirken“. Er enthält u.a. „Ideenkisten für den pädagogischen Alltag“ für die Altersgruppen der 3-6-Jährigen, 7-10-Jährigen und 11-13-Jährigen.
- Weitere Lektüreempfehlungen des Kompetenzzentrums richten sich an ältere Kinder und Jugendliche. Diese Leseideen für Teens* von 8-15 Jahren thematisieren u.a. Transsexualität, Coming-Out, Regenbogenfamilien, so z.B. für Kinder ab 10 Jahren in einem Buch über den „transidenten George“ oder Bücher für Kinder ab 12 Jahren, in deren Handlungen die Gefühlswelt von 16-Jährigen (Stichwörter: Mädchen*-Sein, Junge*-Sein, Sexualitäten, Coming-out, Geschlechter-vielfalt, Identität, Rollenbilder etc.) thematisiert wird.
Sexualpädagogische Leitlinien
Landesprogramm Queer in Sachsen-Anhalt (2026)
Leitsätze für Diversität in der Kinder- und Jugendhilfe Sachsen-Anhalts (2016)
Rechtslage in Sachsen-Anhalt
Sie als Eltern haben umfassende, gesetzlich geregelte Rechte im Zusammenhang mit der Sexualerziehung in Kita und Schule. Diese sollten Sie zum Wohle Ihres Kindes auch einfordern.
Immer häufiger wird der Aufklärungsunterricht an Schulen oder Teile des Unterrichts von sogenannten LSBTIQ-Gruppen durchgeführt – oft ohne die Anwesenheit des Lehrers. LSBTIQ steht für lesbisch, schwul, bi, transsexuell, intersexuell und queer. Queere Bildung will LSBTIQ-Lebensweisen in den Schulen z.B. durch “Authentische Begegnungen mit LSBTIQ*-Aufklärer_innen” erfahrbar machen. In Sachsen-Anhalt wird dies u.a. durch folgende Projekte verwirklicht:
AIDS-Hilfe Sachsen-Anhalt e.V.
Die Aidshilfe Sachsen-Anhalt e.V. v, die auch eine Zentrale Meldestelle für die Registrierung von Diskriminierung und Gewalt gegen Lesben, Schwule, Bi-, Trans*- und intergeschlechtlichen sowie queeren Menschen (LSBTIQ*) in Sachsen-Anhalt (DiMSA) betreibt, verweist unter der Rubrik Sexuelle Bildung auf zwei Bildungsangebote ihrer beiden Aidshilfe-Vereine im Norden und Süden des Bundeslandes:
„Du suchst ein Expert*innenteam, das über Sexualität redet und die Dinge beim Namen nennt? Das Fragen der Teilnehmer*innen ohne »moralischen Zeigefinger« beantwortet? Das die individuellen Schamgrenzen der Personen respektiert? Das über die sexuellen Rechte, für ein selbstbestimmtes Sexualleben, informiert? Das über Schutzmöglichkeiten vor ungewollter Schwangerschaft oder einer sexuell übertragbaren Infektion informiert? Das hilft, ggf. Euren gesetzlichen Bildungsauftrag zu erfüllen? – Hier sind wir, das Team vom ZfsG.“
Die Aidshilfe Nord e.V. bietet ihr Bildungsprojekt über das Zentrum für sexuelle Gesundheit in Magdeburg an und hat die Broschüre Unsere Bildungsangebote herausgegeben, der alle wesentlichen Details ihrer Bildungsarbeit zu entnehmen sind.
Die in Halle ansässige AIDS-Hilfe Halle/Sachsen-Anhalt Süd e.V. versteht „Sexuelle Bildung“ als Teil ihrer Präventionsarbeit, die sich an Schüler ab 13 Jahren / 8. Klasse richtet. Themen sind neben „HIV und AIDS sowie andere sexuell übertragbare Infektionen (STI)“, „Sexuelle Gesundheit, Prävention und Safer Sex“ und „Rund um Sexuelle Bildung: Körper, Gefühle, Beziehungen und Verhütung“ auch „Sexuelle Selbstbestimmung, Grenzen und Kommunikation“, „Social Media und Pornografie“, „Sexualität, Vielfalt und Antidiskriminierung“ und „Rechtliche Aspekte im Rahmen von Sexualität“.
Begegnungs- und Beratungs-Zentrum lebensart e.V.
Das vom Land geförderte Begegnungs- und Beratungs-Zentrum lebensart e.V. – Fachzentrum für geschlechtlich-sexuelle Identität ist laut seiner Rahmeninformationen zum Bildungsangebot für Schulen des BBZ lebensart e.V. Halle (Saale) anerkannter Träger der freien Jugendhilfe, Kooperationspartner im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und Mitglied im Queere Bildung e.V. – Bundesverband für Bildungs- und Aufklärungsarbeit im Bereich sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Dementsprechend wird auch das Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche ab der 7. Klasse „nach den Qualitätsstandards Queere Bildung e.V.“ ausgerichtet. Die Themen sind:
Komponenten geschlechtlicher und sexueller Vielfalt: biologisches Geschlecht; Geschlechtsidentität; Geschlechterrollen/Geschlechtsausdruck (soziales Geschlecht); sexuelle Orientierungen; sexuelle Begehrensformen; sexuelle Vorlieben; Inter- und Transgeschlechtlichkeit, nicht-binäre Geschlechtsidentität: Begriffe, Grundlagen und Aktuelles; Inter*- und Trans*feindlichkeit/Diskriminierung; Situation und Lebenswelten von inter- und transgeschlechtlichen sowie nicht-binären Menschen; Hetero-, Bi-, Pan-, A- und Homosexualität: Begriffe, Grundlagen und Aktuelles; Feindlichkeit gegenüber nicht-heterosexuellen Menschen/Diskriminierung; Situation und Lebenswelten nicht-heterosexueller Menschen; Was tun gegen Diskriminierung und für Akzeptanz?! Akzeptanzförderung in Bezug auf geschlechtliche und sexuelle Vielfalt: Handlungsstrategien sowie Umgang im Alltag und im beruflichen bzw. Engagementkontext
dissens INTERVENTIONEN für geschlechtliche & sexuelle VIELFALT
Kompetenzzentrum geschlechtergerechte Kinder- und Jugendhilfe Sachsen-Anhalt e.V.
Das vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit & Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt geförderte Kompetenzzentrum geschlechtergerechte Kinder- und Jugendhilfe Sachsen-Anhalt e.V. versteht sich als als fachpolitische Servicestelle für Geschlechtergerechtigkeit in der Kinder- und Jugendhilfe in Sachsen-Anhalt und hat dabei die Mädchen*, Jungen*, Vielfalt – Geschlechtergerechtigkeit im Blick.
Zur frühzeitigen sexuellen Bildung bietet das Kompetenzzentrum einen ausleihbaren Medienkoffer Geschlechtervielfalt mit dem Ziel, „Kinder bereits ab dem Kindergartenalter die Chance zu bieten, die Vielfalt von Geschlechtern sowie Lebens- und Familienformen wertschätzend kennenzulernen, um der Entwicklung von Vorurteilen entgegenzuwirken.“
Koordinierungskreis Sexualität & Gesundheit Halle und Saalekreis
Der von der Stadt Halle und dem Land Sachsen-Anhalt geförderte Koordinierungskreis Sexualiät & Gesundheit mit Ansprechpartnern der Aidshilfe Sachsen-Anhalt e.V. listet das Who’s Who sämtlicher Anbieter insbesondere auch im Bereich der sexuellen Bildung auf.
Darunter befinden sich AWO-Regionalverbände, das DRK („Schwerpunkte: Grenzen, Gefühle, Körper, Pubertät, Schwangerschaft & Geburt, Verhütung, Hygiene, Werte und Normenbildung“), lambda Mitteldeutschland („Schwerpunkte: Bildungs- und Beratungsarbeit zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, politische Bildungsarbeit und politische Interessenvertretung für queere Menschen, Organisation, Begleitung und Unterstützung von queeren Jugendgruppen und queeren Bildungsreisen“) und der Saalekreis.
Zu seinen Angeboten gehören:
Sexualpädagogischer Wissens-Parcours
„Ein MitMachParcours der mit interaktiven Methoden spielerisch das Wissen von Kindern und Jugendlichen erfragt. Individuell angepasst an die Zielgruppe behandelt er unter anderem die Themen Sexualität, Gefühle und Beziehungen, Verhütung, sexuelle Gesundheit und sexuelle Vielfalt.“
Großprojekte in schulischen Einrichtungen
„Etwa einmal im Jahr veranstaltet der Koordinierungskreis Großprojekte an Schulen – dabei steht die sexuelle Bildung natürlich im Fokus. Wir arbeiten mit vielfältigen Methoden und über mehrere Klassenstufen hinweg.“
JugendFilmtag mit sexualpädagogischem MitMachParcours
„Jedes Jahr rund um den Welt-AIDS-Tag (01.12.) veranstaltet der Koordinierungskreis einen großen Filmtag in einem halleschen Kino, bei dem mehrere thematisch passende Filme angeboten werden. Vor und nach dem Kinobesuch können Kinder und Jugendliche ihr Wissen rund um Sexualität testen.“
lambda Mitteldeutschland
Das von der Stadt Magdeburg und dem Land Sachsen-Anhalt geförderte Jugendnetzwerk Lambda Mitteldeutschland ist anerkannter freier Träger der Jugendhilfe auf Landesebene und „versteht sich als einzigartiger Jugendverband von und für queere Jugendliche und junge Erwachsene in Sachsen-Anhalt und Thüringen“. In den Jahren 2024 und 2025 bot der Verein in Zusammenarbeit mit der einschlägig arbeitenden Hochschule Merseburg eine Fachtagung zum Thema „Kinder- und Jugendhilfe & Schule verqueeren“ an.
Zu den vielen unausprechlichen, auf seiner Internetseite präsentierten Angeboten zählen auch die außerschulischen freiwilligen Workshops Q* at school für „Schüler*innen ab der Klassenstufe 7 und Berufschüler*innen aus Sachsen-Anhalt“.
pro familia Halle
Der pro familia Halle bietet Gruppenveranstaltungen zur sexuellen Bildung ab dem Kindergartenalter an. Zu den Angeboten für „Kinder, Jugendliche und Schüler*innen“ gehören „individuelle Gruppenveranstaltungen zur sexuellen Bildung (zb. „Junge/Mädchen sein“, „Wo komme ich her?“, „Das erste Mal“)“, „Unterstützung beim Kennenlernen des eigenen Körpers und seiner Veränderungen“ und „Aufklärung über Möglichkeiten der Verhütung und des Schutzes vor sexuell übertragbaren Krankheiten“ sowie „altersgerechte Angebote rund um das Thema Schwangerschaft und Geburt, Schwangerschaftskonflikt“.
