Die fächerübergreifend zu erteilende Familien- und Sexualerziehung ist schulische Aufgabe und wird im Orientierungsrahmen für die Familien- und Sexualerziehung an sächsischen Schulen (2016) näher beschrieben. Darin wird eine neuer Familienbegriff definiert als „heute nicht mehr nur die Wohn- oder Lebensgemeinschaft von verschieden geschlechtlichen Eltern und ihren leiblichen (oder evtl. angenommenen) Kindern, sondern … jede Lebensgemeinschaft von einem oder mehreren Erwachsenen mit einem Kind oder mit mehreren Kindern, für die gesorgt wird.“ Zudem wird behauptet: „Erfahrungen im Bereich der Sexualität zu sammeln, gehört mittlerweile zum Selbstverständnis von Minderjährigen“.
Das neue Familienbild und die Thematisierung des Sexuellen von früh auf wird in Sachsen auch über die Programme von drei großen, staatlich finanzierten Lobbygruppen (Gerede e.V., RosaLinde Leipzig e.V., different people e.V.) in die Schulen getragen.
Für den Kita-Bereich gilt der Sächsische Bildungsplan (2011), der vorsieht, dass die Kinder bis zur Einschulung die Unterschiede zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht („sex“/“gender“) lernen. Thematisiert wird auch, wie „mit vielfältigen Sexualitäten (zum Beispiel Transsexualität, Homosexualität)“ umgegangen wird. Über den Landesaktionsplan zur Vielfalt von Lebensentwürfen sollen Akzeptanz und ‚Bildungsprojekte zum Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt‘ in den Schulen gefördert werden. (Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen)
Kita
Obwohl Kindertagesstätten nicht zur Einführung eines sexualpädagogischen Konzeptes verpflichtet sind, werden dort unter dem Deckmantel der Missbrauchsprävention immer häufiger derartige Konzepte eingeführt. Kinder, die sich in diesem frühen Alter noch nicht einmal adäquat sprachlich äußern können, ungefragt und permanent mit sexuellen Themen zu konfrontieren, ist übergriffig, verletzt ihre Intimsphäre und lädt explizit zum Ausprobieren in Rückzugsräumen ein. Hier wird die Aufsichtspflicht verletzt und Missbrauch billigend in Kauf genommen.
Sexualpädagogisches Konzept Jugend- und Sozialwerk gemeinnützige GmbH (Hort „Fröhliche Strolche“, Dresden)
Kinderschutzkonzept (Ev. Luth. St. Laurentius Kirchgemeinde, Leipzig-Leutzsch)
Schule
- Der Dresdner Verein Gerede führt verschiedene Aufklärungsangebote, u.a. LiebesLeben, dessen Veranstaltungen (für Jugendliche ab 14 Jahren) in den Rahmen des Ethik-, Religions- und Biologieunterrichts eingebettet sind. Dort wird „den Jugendlichen (…) Raum gegeben für offene Gespräche über: – Rollenbilder und Rollenerwartungen; – verschiedene Lebensentwürfe; Liebe, Sexualität und Partnerschaft; – sexuelle Orientierungen (…) und sexuelle Identität (z.B.: Transsexualität/Transidentität)“. Die „Moderatoren_innen (sic!) bilden einen bunten Querschnitt aus homo-, trans-, bi-, a- und heterosexuellen Menschen“. Andere Projekte sind Respekt! (ein Angebot für Lehrer im Bereich gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweise) und die Filmaufführung von Romeos (für die Kl. 9-12), der von der Annäherung zwischen Lukas und Fabio bis zu ihrem ersten Mal erzählt.
- In Leipzig ist vom Verein Rosalinde das Bildungsangebot Liebe bekennt Farbe! (ab Klasse 7), in dem junge LSBTIQ-Menschen den Schüler „die Möglichkeit [bieten], sich mit dem Thema sexuelle Identität auseinanderzusetzen“.
Sexualpädagogische Leitlinien
Orientierungsrahmen für die Familien- und Sexualerziehung an sächsischen Schulen
Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen
Rechtslage in Sachsen
Sie als Eltern haben umfassende, gesetzlich geregelte Rechte im Zusammenhang mit der Sexualerziehung in Kita und Schule. Diese sollten Sie zum Wohle Ihres Kindes auch einfordern.
Immer häufiger wird der Aufklärungsunterricht an Schulen oder Teile des Unterrichts von sogenannten LSBTIQ-Gruppen durchgeführt – oft ohne die Anwesenheit des Lehrers. LSBTIQ steht für lesbisch, schwul, bi, transsexuell, intersexuell und queer. Queere Bildung will LSBTIQ-Lebensweisen in den Schulen z.B. durch “Authentische Begegnungen mit LSBTIQ*-Aufklärer_innen” erfahrbar machen. In Sachsen wird dies u.a. durch folgende Projekte verwirklicht:
AIDS-Hilfe Chemnitz e.V.
Die AIDS-Hilfe Chemnitz e.V. bietet in den Räumlichkeiten ihrer Beratungsstelle Projekte zur sexuellen Bildung an, darunter die Körperwerkstatt, ein „interaktives Projekt zur Sexuellen Bildung für Kinder im Grundschulalter“ u.a. zum Thema „Die Welt ist bunt – vielfältige Lebens-, Liebens- und Familienformen“ oder „HAND AUFS HERZ – hand on heart … Ein interaktives Projekt zur Sexuellen Bildung für junge Menschen ab 12 Jahren“ zu folgenden Themen: Pubertät; Liebe, Sexualität & Beziehungen; Schwangerschaft & Verhütung; Sexualität & Social Media; HIV, Aids & andere STI; Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt; Rechtliche Aspekte zum Thema Sexualität.“
Deutsches Hygienemuseum Dresden
Das Deutsche Hygienemuseum Dresden (DHMD) hat verschiedene sexualpädagogische Angebote für Schüler:
VOLL NORMAL. Von Babys, Beziehungen und Pubertät
„In 90 Minuten beschäftigen wir uns in der Ausstellung mit Fragen rund um die Themen Körper und Geschlecht, Schwangerschaft und Geburt, Pubertät, Liebe und Familie. Dabei bleibt Zeit für eine eigenständige Erkundung des Raumes „Sexualitäten“ und persönliche Fragen.“
101 FRAGEN ZUM THEMA SEXUALITÄT
„In ca. 180 Minuten geht es um Fragen rund um die Themen Körper und Geschlecht, Schwangerschaft und Geburt, Pubertät, Liebe und Familie. Dafür besuchen wir den Ausstellungsraum „Sexualitäten“ und vertiefen das erworbene Wissen mithilfe von Anschauungsmaterialien, Übungen oder einer Fragerunde in einem Workshop-Raum.
Hinweis: Der zweite Teil der Veranstaltung findet in einem separaten Raum statt und kann ohne Beteiligung der Lehrer:innen durchgeführt werden.“
DAS ERSTE MAL … MEHR ALS NUR SEX!?
„In 90 Minuten erkunden wir den Ausstellungsraum „Sexualitäten“ und sprechen über die Themen, die für die Kinder und Jugendlichen im jeweiligen Alter interessant sind, u. a. Veränderungen in der Pubertät, geschlechtliche und sexuelle Vielfalt, Anziehung, individuelle Bedürfnisse, Beziehungen sowie Liebe und Sex.“
WENN ZUM ERSTEN MAL DIE FUNKEN SPRÜHEN …
„Die Jugendlichen befassen sich in 180 Minuten mit Fragen, die sie interessieren, z. B. „was finde ich anziehend?“ und „was ist mir in einer Beziehung wichtig?“ Wir streifen Themen rund um Pubertät und Identität und vertiefen im Workshop wissenswertes zu Geschlecht, Verhütung, Schutz, Konsens und Grenzen.
Hinweis: Der zweite Teil der Veranstaltung findet in einem separaten Raum und ohne Beteiligung der Lehrer:innen statt.“
ALL YOU NEED IS LOVE. Identität, Liebe und Antidiskriminierung
„In 180 Minuten laden die Referent:innen des Gerede e. V. zu einer Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen, Körperidealen und gesellschaftlichen Normen ein. Ziel ist es, queere Perspektiven vorzustellen und Akzeptanz zu fördern. Dazu regen Objektbetrachtungen im Ausstellungsraum „Sexualitäten“ an sowie Mitmachangebote und Gesprächsrunden in einem geschützten Workshop-Raum.“
different people e.V. (Chemnitz)
Der im Rahmen von Demokratie leben! in der Rubrik „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ geförderte Verein different People e.V. bietet auch einen „Workshop für Jugendliche ab 14 Jahren – ‚We simply Are – different pupils“ an: „Mit fundierten Fakten, ausgewählten Methoden und praxisnahen Ansätzen fördern wir Reflexion, sensibilisieren für Vorurteile, bauen Halbwissen zu sexuelle und romantische Orientierung sowie geschlechtliche Identität ab und stärken Handlungsfähigkeit im Umgang mit Diskriminierung, sowie das respektvolle Miteinander. Stets authentisch und mit Raum für freie Meinungsäußerung.“
dissens INTERVENTIONEN für geschlechtliche & sexuelle VIELFALT
Gerede e.V. (Dresden)
Der vom Freistaat Sachsen mit jährlich sechsstelligen Summen geförderte Verein Gerede e.V. hat verschiedene an Kinder und Jugendliche gerichteten Bildungsprojekte im Angebot: „Unsere Bildungsangebote richten sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Sie sind pädagogisch konzipiert und sollen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich altersgerecht mit den Themen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt auseinanderzusetzen. Ziel ist das Empowerment queerer Jugendlicher, sowie die Sensibilisierung und Akzeptanzbildung für vielfältige Lebensweisen als eine gleichberechtigte Form von Lebensentwürfen.“
Verleih der Glitzerkiste für Kinder ab dem Kindergartenalter mit Büchern zu Themen wie u.a. PoCs/ Schwarze Personen in der Hauptrolle; Transidentität; Geschlechterrollen; Regenbogenfamilien; Freund*innenschaft oder Vielfalt von Familien. Bereits für die Altersgruppe von 0-3 Jahren wird eine Vielzahl von Büchern mit queerem Inhalt empfohlen, z.B. „DADDY, PAPA and ME“ aus der Kategorie „Familie & LGBQIA+; Geschlechterrollen“.
Ebenso sollen Schulen mit dert Bücherkiste QUEERKRAM 2.0 für Ihre Schulbibliothek mit einschlägiger Literatur bestückt werden.
Für Schüler ab Klassenstufe 8 wird das Schulbildungsprojekt LiebesLeben angeboten, das der Antidiskriminierungsarbeit dient.
pro familia Chemnitz
Der pro familia Chemnitz bietet Projekte zur Sexuellen Bildung u.a. zu Themen wie „Selbstbefriedigung“, „Das erste Mal“, „Schwangerschaft, Geburt und Schwangerschaftsabbruch“ oder „Identitätsfindung (sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität)“ sowie das Projekt „Eltern auf Probe“. Zudem ist er Mitglied im Arbeitskreis Sexualpädagogik & Sexuelle Bildung Leipzig.
Ähnliche Projekte
Arbeitskreis Sexualpädagogik & Sexuelle Bildung Leipzig
„Der Arbeitskreis Sexualpädagogik & Sexuelle Bildung Leipzig bietet dort in Zusammenarbeit mit einem Kino einen eintägigen Schüler*innenfilmtag mit dem Titel “Liebe ist … nicht nur wie im Kino!” an. „Mit diesem thematischen Kinotag sollen Jugendliche für die Themen Sexualität, Liebe und Partnerschaft sensibilisiert werden. Sie werden Zeit und Raum bekommen, sich mit den Themen genauer zu beschäftigen und vor allem Fragen zu stellen.“
Chemnitzer Kooperationsgemeinschaft für Sexualpädagogik
Die bei der Chemnitzer AIDS-Hilfe angesiedelte Chemnitzer Kooperationsgemeinschaft für Sexualpädagogik „ist ein freier Zusammenschluss lokaler Akteur:innen, die im Bereich der sexuellen Bildung, Entwicklung und Gesundheitsförderung aktiv tätig sind und gemeinsam Projekte initiieren und umsetzen, beruflichen Fachaustausch pflegen und öffentlich wirksame Maßnahmen begleiten und fördern.“ Zu ihren Mitgliedern gehören neben vielen mehr auch das Amt für Gesundheit und Prävention Chemnitz, Beratungsstelle sexuelle Gesundheit, der AWO Kreisverband Freiberg e.V. Schwangeren(konflikt)beratung, der different people e.V. und die pro familia Beratungsstelle Chemnitz.
