Die Familien- und Sexualerziehung in Bayern soll im Rahmen einer „vertrauensvollen Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Schule“ stattfinden und ist durch verbindliche Richtlinien vorgegeben, an denen sich auch die Lehrpläne orientieren.
Für den Kita-Bereich gilt der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen, in dem zum Thema „Sexualität“ unter anderem die Ziele „Eine positive Geschlechtsidentität entwickeln, um sich wohlzufühlen“ und „Bewusstsein für eine persönliche Intimsphäre entwickeln“ aufgeführt werden. Verhältnismäßig zurückhaltend sind in dem Bildungsplan die Äußerungen zur „Sexuellen Bildung“: sie sei „kein Thema, das in in Kindertageseinrichtungen offensiv angegangen wird. Es wird aufgegriffen, wenn Kinderfragen kommen“. Allerdings sind von pro familia angebotene Elternabende vorgesehen, die „Aufschluss über die Entwicklung der kindlichen Sexualität“ geben sollen.
Im Gegensatz zur allgemeinen Zurückhaltung im Bildungsplan sieht der Leitfaden zur Sicherung des Schutzauftrags in Kindertageseinrichtungen die Erstellung eines sexualpädagogischen Konzeptes im Rahmen des präventiven Kinderschutzes und als Teil der Einrichtungskonzeption vor: „Sexualität gehört von Beginn an zur Entwicklung jedes Kindes und ist daher im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung Bestandteil des Bildungsauftrags von Kindertageseinrichtungen.“
Kita
Obwohl Kindertagesstätten nicht zur Einführung eines sexualpädagogischen Konzeptes verpflichtet sind, werden dort unter dem Deckmantel der Missbrauchsprävention immer häufiger derartige Konzepte eingeführt. Kinder, die sich in diesem frühen Alter noch nicht einmal adäquat sprachlich äußern können, ungefragt und permanent mit sexuellen Themen zu konfrontieren, ist übergriffig, verletzt ihre Intimsphäre und lädt explizit zum Ausprobieren in Rückzugsräumen ein. Hier wird die Aufsichtspflicht verletzt und Missbrauch billigend in Kauf genommen.
Sexualpädagogisches Konzept (Kinderhaus Bunte Klexe e.V., Fürth)
Sexualpädagogisches Konzept – Geschlechtsbewusste Erziehung Sexualpädagogik (Menschenskinder, Ev. Kindergarten Veitshöchheim)
Sexualpädagogische Konzeption – Musterbeispiel (Ev. KITA-Verband Bayern)
Sexualpädagogisches Schutzkonzept (Ev. Kinderhaus Andreas am See, Neu-Ulm)
Schule
Aus Schulmaterialien
- LIZA (Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus für Klassen 8 und 9): Unterrichtseinheit zum Thema Homosexualität u.a. mit diesem fiktiven Brief: „Christoph, 17: Während unserer Jugendreise nach Berlin lernte ich bei einem Discobesuch einen 21-jährigen Mann kennen. Sehr schnell wurde mir klar, dass er schwul ist und sich für mich interessierte. Ich bin dann mit ihm nach Hause gegangen, und wir haben die ganze Nacht rumgeschmust und uns gestreichelt und so. Das hat mir viel Spaß gemacht und mir sehr gefallen. Ich glaube seitdem, dass ich selber schwul bin, aber das geht nicht wegen meiner Eltern, die würden das nie erlauben. Meine Freunde, die vermutlich mitbekommen haben, wo ich in der Nacht war, machen seitdem auch ständig blöde Bemerkungen! Was soll ich tun?“
Sexualpädagogische Leitlinien
Bayerischer Bildungs- und Erziehungsplan (BayBEP)
Bayerische Leitlinien für die Bildung und Erziehung von Kindern bis zum Ende der Grundschulzeit
Elternberichte
- „Pro Familia wurde in die 6. Klasse eingeladen. Der Referent behauptete dort u.a., dass Liebe etwas ganz Individuelles sei und man sich auch, wenn man wolle, in eine Kartoffel oder irgendeinen Gegenstand verlieben könne. Die Kinder lachten darüber und nahmen den Referenten nicht ernst. Allerdings gingen sie im Anschluss zu ihrem Biologielehrer, dem sie amüsiert von diesen „Inhalten“ berichteten. Eigentlich eine gute Idee, denn sie erhofften sich intuitiv eine Klarstellung auf biologisch, wissenschaftlicher Ebene. Der Biologielehrer begann jedoch sofort von Gender etc. zu erzählen und dass es jedem frei stünde, sein/ihr/egal Geschlecht zu wählen. Es sei sogar ein Leichtes sich, wenn man wolle, umoperieren zu lassen. Verstört berichteten die Kinder am Abend davon zu Hause.“
- „Schüler der Mittelstufe mussten ohne jede Ankündigung durch Lehrkraft und Schule im Klassenverband Kondome über Holzpenisse stülpen“.
- „Fragenbox„: Box wird im Klassenraum aufgestellt, um es Kindern zu ermöglichen anonym Fragen zu stellen und auf Zetteln in diese Box zu werfen. Fragen werden dann vor allen Kindern laut vorgelesen und beantwortet – Eltern berichten von sehr heiklen Fragen zu Sex und Homosexualität.
- Bericht einer Oma: Ihr Enkel (11 Jahre) will nach einem Schultag nicht essen und wirkt verstört. Sie fragt ihn, ob in der Schule was passiert ist. Er schweigt und nur nach längerer Zeit sagt er weinend, dass er morgen nicht in die Schule wolle. Er hätte sich heute sehr geschämt, als er innerhalb des Sexualkundeunterrichts den Auftrag hatte, mit einem Bauchladen voller Kondome diese in der Pause an die Mitschüler und Mitschülerinnen zu bringen.
Rechtslage in Bayern
Sie als Eltern haben umfassende, gesetzlich geregelte Rechte im Zusammenhang mit der Sexualerziehung in Kita und Schule. Diese sollten Sie zum Wohle Ihres Kindes auch einfordern.
Immer häufiger wird der Aufklärungsunterricht an Schulen oder Teile des Unterrichts von sogenannten LSBTIQ-Gruppen durchgeführt – oft ohne die Anwesenheit des Lehrers. LSBTIQ steht für lesbisch, schwul, bi, transsexuell, intersexuell und queer. Queere Bildung will LSBTIQ-Lebensweisen in den Schulen z.B. durch “Authentische Begegnungen mit LSBTIQ*-Aufklärer_innen” erfahrbar machen. In Bayern wird dies u.a. durch folgende Projekte verwirklicht:
Allgäu-Pride e. V.
Der Verein Allgäu Pride e.V. bietet ein queeres Bildungsangebot an, um „Schüler*innen für queere Themen zu sensibilisieren“. Die 90-minütigen Einheiten finden während der regulären Unterrichtszeit aber ohne die Anwesenheit von Lehrkräften statt. Die Schüler können anonym Fragen stellen, die anschließend gemeinsam mit den „qualifizierten Teamenden“ besprochen werden. „Wir möchten dazu beitragen, das Bewusstsein für Vielfalt zu stärken, das Coming-out zu erleichtern und eine Kultur der Akzeptanz zu fördern.“
Aufklärungsprojekt München e.V.
Schulbesuche sind der Schwerpunkt des Vereins Aufklärungsprojekt München e.V.. Etwa 30 Personen „unterschiedlicher sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten“ richten ihr Angebot an „alle weiterführenden Schulen unabhängig von Unterrichtsfach, Klassenstufe und Schulart.“
„Ziele unserer Workshops sind die Sensibilisierung für gesellschaftliche Vielfalt mit einem Schwerpunkt auf sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten und die Anregung eines Reflexionsprozesses von Vorurteilen und Klischees.“
In den offenen Gesprächs- und Diskussionsrunden im Stuhlkreis erklären die „qualifizierten Aufklärer*innen“ des Vereins Begriffe wie „lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, inter*, asexuell und queer“. Sie beantworten den Schülern Fragen und erzählen aus ihren Lebensgeschichten, „um einen authentischen Einblick in die Vielfalt der Lebenswelten zu ermöglichen“ und „um einen Perspektivenwechsel zu initiieren“.
Der Verein war Gründungsmitglied bei „Queere Bildung e.V.“ – Bundesverband für Bildungs- und Aufklärungsarbeit im Bereich sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Seit 2023 ist er Mitglied beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern.
dissens Interventionen für geschlechtliche & sexuelle Vielfalt
diversity München e.V.
Der Verein diversity München e.V. erreicht mit dem Aufklärungsprojekt diversity@school zahlreiche Schulen im Raum München: „In unseren interaktiven Workshops arbeiten wir mit vielseitigen Methoden, um Berührungsängste zu nehmen, Wissen zu vermitteln und Akzeptanz gegenüber queeren Identitäten zu fördern.“
„Junge, ausgebildete Referent*innen bis 27 Jahre“ verfolgen in ihren Peer-to-Peer-Workshops einen autobiographischen Ansatz. Ihr Angebot richtet sich an „Jugendliche ab der 8. Schulstufe bzw. einem Alter von 14 Jahren; Ausnahmen können im Einzelfall jedoch gemacht werden“. Die interaktiven Workshops dauern mindestens 90 Minuten und finden direkt in den jeweiligen Schulen statt. „Ein darauf aufbauender Besuch der Jugendlichen in unseren Vereinsräumlichkeiten (Jugendzentrum oder Café) kann zur inhaltlichen Vertiefung beitragen.“
Jugendnetzwerk Lambda Bayern e.V.
Das Jugendnetzwerk Lambda Bayern e.V. ist laut eigener Auskunft „der Dachverband der queeren Jugendarbeit in Bayern und Teil des bundesweiten Jugendnetzwerk Lambda e.V.“. Lambda spricht Jugendliche nach dem „peer‑to‑peer‑Prinzip“ an. Seine „Peer-Workshops an Schulen für mehr Akzeptanz“ organisiert der Verband mit dem Schulprojekt „Sch(w)ule und Le(s)ben“.
So ist zum Beispiel die schwullesbische Jugendgruppe DéjàWü aus Würzburg vom Dachverband Lambda Bayern e. V. ausgebildet und bringt dessen pädagogischen Grundsätze in die Würzburger Schulen ab Jahrgangsstufe 7. Dazu zählen „interaktive Methoden, Rollenspiele, Selbsterfahrung“ und „Lebendig durch persönliche Erfahrung“. „Die Workshops dauern 90 Minuten und finden in der Klasse ohne Lehrkraft statt. So gewähren wir den Jugendlichen ausreichend Freiraum, auch persönliche Fragen zu stellen.“
Den Trans-Kult bedient Lambda Bayern mit der bereits in mehreren Auflagen erschienenen Broschüre Akzeptrans* für den Einsatz in der Schule.
In einer Übung für den Schulunterricht sollen Begriffe wie „Brustentfernung“ und „Penisaufbau“ pantomimisch dargestellt werden. In einer weiteren sind die Schüler angehalten unter anderem folgende Fragen zu beantworten: „Wer hat jemals daran gezweifelt im richtigen Körper zu sein?“, „Wer hat sich schon mal gewünscht einen Tag das gegenteilige Geschlecht zu sein?“, „Wer kann sich Sex mit einem Transmenschen vorstellen?“.
Ähnliche Projekte
- Queerbeet Augsburg e.V.
Der Verein queerbeet Augsburg bietet 90-minütige Workshops für Schüler ab der Jahrgangsstufe 7 aller Schularten an. Der Verein will „für Toleranz und Akzeptanz gegenüber verschiedenen sexuellen Orientierungen (…) werben“ sowie „Aufklärung über Homo-, Bi- und Transsexualität“ leisten. All das in Abwesenheit des Lehrers. „Bei unserer Arbeit in der Klasse verfolgen wir den Peer-to-Peer-Ansatz, um den Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen und auch die Möglichkeit zu persönlichen Fragen zu geben.“ - Fliederlich e. V. Queeres Zentrum Nürnberg
Das Schulprojekt von Fliederlich Nürnberg „bietet Unterrichtseinheiten zum Thema ‚Homosexualität und Queeres Leben‘ an.“ Die Einheiten richten sich an „Schüler*innen ab 12 Jahren.“
Ansprechpartner und Kontakt
Elternaktion Bayern
Sprecherin: Sabine Weigert
E-Mail: elternaktion-bayern@instant-info.de
