Hamburg
In Hamburg gibt es die Besonderheit, dass nicht nur staatliche Schulen eine auf der Akzeptanz von sexueller Vielfalt beruhenden Ansatz verfolgen, sondern auch die katholische Kirche 2025 ein „Rahmenkonzept für sexuelle Bildung an den katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg“ erlassen hat. Hamburger Eltern haben nun also überhaupt keine Möglichkeit mehr, ihre Kinder im Bildungsbereich vor einer übergriffigen Sexualaufklärung zu schützen.

Laut Hamburgischem Schulgesetz ist es Aufgabe der schulischen Sexualerziehung, eine positive Einstellung der Schüler zur Sexualität zu fördern, wobei jede einseitige Beeinflus­sung zu vermeiden ist. Letzteres ist in Hamburg nicht gegeben, wovon nicht zuletzt das ab dem Schuljahr 2026/2027 geltende „Rahmenkonzept für sexuelle Bildung an den katholi­schen Schulen im Erzbistum Hamburg“ zeugt. Die entsprechenden Richtlinien sehen Sexualerziehung als fächerübergreifende Aufgabe mit dem Ziel vor, dass die Schüler „ange­messen ein gesichertes Faktenwissen über die menschliche Sexualität erwerben“ und nennt als „Arbeitsformen [u.a.] Brainstorming; Arbeit mit Fotos und anderem Bildmaterial; Fra­gebogen; Interview; Körperwahrnehmung, szenisches Spiel; Videoproduktionen; Kreati­ves Schreiben; Phantasiereisen; Bildhaftes Gestalten; Bewegungsübungen“.

Laut den Hamburger Bildungsleitlinien für die pädagogische Arbeit in Kitas sollen Kinder „im Kontext der sexuellen Selbstbildung“ ihren eigenen Körper und ihre Genitalien entdecken und „beziehen in ihre Körpererkundungen manchmal auch andere Kinder mit ein. Diese sexuelle Neugierde gehört zu einer gesunden physischen und psychischen Entwicklung eines Kindes und grenzt sich von der Erwachsenensexualität ab.“ Pädagogische Fachkräfte sind angehalten, „das sexualpädagogische Konzept der Kita sensibel mit den El­tern zu besprechen“, da „aufgrund eigener Sozialisationserfahrungen … der Umgang mit kindlicher Sexualität und Körpererkundungen für manche Erwachsene nicht unbe­schwert möglich“ sei.

Kita

Obwohl Kindertagesstätten nicht zur Einführung eines sexualpädagogischen Konzeptes verpflichtet sind, werden dort unter dem Deckmantel der Missbrauchsprävention immer häufiger derartige Konzepte eingeführt. Kinder, die sich in diesem frühen Alter noch nicht einmal adäquat sprachlich äußern können, ungefragt und permanent mit sexuellen Themen zu konfrontieren, ist übergriffig, verletzt ihre Intimsphäre und lädt explizit zum Ausprobieren in Rückzugsräumen ein. Hier wird die Aufsichtspflicht verletzt und Missbrauch billigend in Kauf genommen.

Sexualpädagogisches Konzept (Kita Schilleroper)

Kinderschutzkonzept (Ev. Kindertagesstätte St. Severini, Fünfhausen)

Handreichung zur Entwicklung von Schutzkonzepten für die Hamburger Kinder- und Jugendhilfe (Stadt Hamburg)

Schule

Aus Schulmaterialien

  • Ein vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung herausgegebenes Methodenbuch für die Sekundarstufe I enthält etliche Unterrichtsvorschläge, in denen u. a. Lehrer der ganzen Klasse Fragen stellt wie „Wer hat schon mal richtig rumgeknutscht? Wer Petting? Wer das „1. Mal“?“ oder „Wer würde, wenn es möglich wäre, für einen Tag das Geschlecht wechseln? (Was würde ich dann machen und erleben wollen?)“ (S. 20).

Sexualpädagogische Leitlinien

Hamburger Bildungspläne für das Aufgabengebiet Sexualerziehung

Auszüge aus den Hamburger Bildungsplänen – Aufgabengebiet Sexualerziehung

Hamburger Bildungsserver: Materialien zur Sexualerziehung

Sexualerziehung und Gender – zentrale und schulinterne Fortbildungen zu allen Themenfeldern der Sexualerziehung und Geschlechterpädagogik

Aktionsplan für Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt (2017)

Rechtslage in Hamburg

Sie als Eltern haben umfassende, gesetzlich geregelte Rechte im Zusammenhang mit der Sexualerziehung in Kita und Schule. Diese sollten Sie zum Wohle Ihres Kindes auch einfordern.

Meine Rechte kennenlernen

Immer häufiger wird der Aufklärungsunterricht an Schulen oder Teile des Unterrichts von sogenannten LSBTIQ-Gruppen durchgeführt – oft ohne die Anwesenheit des Lehrers. LSBTIQ steht für lesbisch, schwul, bi, transsexuell, intersexuell und queer. Queere Bildung will LSBTIQ-Lebensweisen in den Schulen z.B. durch “Authentische Begegnungen mit LSBTIQ*-Aufklärer_innen” erfahrbar machen. In Hamburg wird dies u.a. durch folgende Projekte verwirklicht:

Aidshilfe Hamburg e. V.

Wie in anderen Bundesländern auch bietet die seit den 1980er Jahren aktive Aidshilfe Hamburg in den vergangenen Jahren zunehmend „Sexuelle Bildungsarbeit“ in Form von Schul-Workshops an. Die drei- bis vierstündigen Einheiten finden in den Räumlichkeiten der Aidshilfe Hamburg statt. Das „Youthwork-Team“ vermittelt in Abwesenheit des Klassenlehrers einen „selbstbestimmten Umgang mit den Themen Körper, Sexualität und Identität“, wobei auch persönliche Themen oder Erfahrungen der Teilnehmenden einen Platz haben können“.

Die Aidshilfe Hamburg hat verschiedene Workshop-Module im Angebot, so etwa das Modul „HIV/STI-Prävention, ab Klasse 9“: „Wir unterstützen junge Menschen dabei, ihre persönlichen Präventionsstrategien zu entwickeln. Dabei geht es sowohl um Sexualität, Safer Sex und Gesundheit sowie um das Erkennen von Grenzen und Risiken. Das Youthwork-Team arbeitet mit vielen verschiedenen Methoden und stets in einem geschützten Rahmen.“

In einem Workshop für Siebtklässler steht das „biografische Erzählen der Teamer*innen“ im Mittelpunkt: „Um einen vielfältigen, authentischen Eindruck zu erlangen, gibt es die Möglichkeit jungen queeren Menschen aus unserem ehrenamtlichen Youthwork-Team direkt zu begegnen. So erhalten die Teilnehmenden einen Einblick in verschiedene L(i)ebensweisen und hinterfragen gängige Vorurteile und Klischees.“

dissens INTERVENTIONEN für geschlechtliche & sexuelle VIELFALT

Familienplanungszentrum e. V.

Das Familienplanungszentrum (FPZ) bietet für die Region Hamburg sexualpädagogische Veranstaltungen für Regelschulen und berufliche Schulen an, die stark nachgefragt sind. Die FPZ-Angebote beantworten Fragen der Kinder und Jugendlichen zu „Liebe und Lust“ und haben deren „selbst bestimmte und verantwortungsvolle Sexualität“ zum Ziel.

„Die Jugendlichen können das FPZ kennenlernen und mit verschiedenen lebendigen Methoden zu einem gewünschten Thema arbeiten. Dabei richten wir den Inhalt der Veranstaltung an den Fragen, Interessen und Bedürfnissen der Teilnehmenden aus.“

Das Themenspektrum spiegelt die pädagogische Hinführung zum sexuellen Handeln wider: „Alles rund um Liebe, Sex und Co“, erster Besuch bei der Frauenärztin, „Sex – was heißt wie und wie geht das?“, „Pille, Kondom und Co: Verhütungsmittel zum Anfassen“, „Das erste Mal“ und „Ich bin schwanger und nun? Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch“. Die allgemeine Sexualisierung der Teenager wird abgerundet durch einen queeren Themenblock: „Sexuelle Orientierung – homo, hetero, bi … was ist schon normal?“

Jungenarbeit Hamburg e.V. – Projekt: „talk about“

Der Verein Jugendarbeit Hamburg bietet das „Sexuelle Bildung“-Projekt „talk about“ im Rahmen von Schul-Workshops an: talk about ist ein sexualpädagogisches Angebot zur Stärkung der sexuellen Selbstbestimmung, Identitätsentwicklung, Wissenserwerb und Akzeptanz von unterschiedlichen Lebensentwürfen.“

Die Teilnehmer sollen „ermutigt werden, über Körper, Gefühle, Beziehungen und erlebte Herausforderungen zu sprechen“. Sexualität, sexuelle Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit seien Teile der Persönlichkeitsentwicklung und bräuchten einen geschützten Rahmen in Erziehung und Bildung, in dem auch Gefühle und „heikle“ Themen besprochen werden und „Vielfalt“ normalisiert wird. „talk about“ geht über 4 Stunden an einem Vormittag, wird von zwei Sexualpädagogen durchgeführt und findet ohne die Lehrer im Klassenzimmer statt.

talk about“ fokussiert gezielt queere Themen und „denkt Homosexualität, Heterosexualität und weitere sexuelle Orientierungen genauso selbstverständlich mit wie Intergeschlechtlichkeit und Transgeschlechtlichkeit.“ Das 2025 gestartete AnschlussprojektZART* – Sexuelle Bildung in Aktion“ für die Altersgruppe 14 bis 27 Jahre ermöglicht im Rahmen der offenen Kinder- und Jugendarbeit „einen niedrigschwelligen, kreativen Zugang zum Thema Sexualität“ und findet in verschiedenen Jugendzentren der Stadt Hamburg statt.

Weiterführende Informationen zu „talk about“ finden sich in der Konzeptbeschreibung „Sexuelle Bildung im Kontext von Schule“: Zielgruppe ab Jahrgangsstufe 4, vorgesehen sind die Beantwortung von im Vorfeld anonym gestellten Fragen, ein klassischer Stuhlkreis, Partner- und Kooperationsübungen sowie der Einsatz von Medien und Filmen.

Magnus-Hirschfeld-Centrum e.V.

Der aus der Schwulen- und Lesbenbewegung hervorgegangene Verein Magnus-Hirschfeld-Centrum (MHC) bietet seit den 1990er Jahren das Schulaufklärungsprojekt soorum an. Die Workshops richten sich an Schüler ab der 9. Klasse. Die Schwerpunkte sind geschlechtliche und sexuelle Vielfalt. Durch den Peer-to-Peer-Ansatz und durch autobiografisches Erzählen zum Beispiel über Coming-Out-Erfahrungen werden die Themen von den „jungen Teamer*innen“ auf einer emotionalen Ebene vermittelt.

„Die Schüler*innen lernen verschiedene Lebensentwürfe kennen. Ziel ist der Abbau von Vorurteilen und Diskriminierung und die Schaffung von Respekt und gegenseitiger Wertschätzung.“

Olivia macht Schule

Oliver Knöbel ist ein Unternehmer im Hamburger Rotlichtviertel. Als Drag-Queen „Olivia Jones“ betreibt auf der Reeperbahn mehrere Bars und veranstaltet Shows und Kieztouren. Nach dem Erfolg ihres queeren Kinderbuchs „Keine Angst in Andersrum“ und ersten Lesungen in Kitas startete Jones 2019 das Projekt „Olivia macht Schule“, für das „mittlerweile bundesweit Mitglieder der Olivia Jones Familie an Schulen und KiTas Nachhilfe in Sachen Toleranz, Vielfalt und Respekt geben. Allen voran: Olivia Jones Familienbotschafterin Veuve Noire“ (zu deutsch „Schwarze Witwe“).

„Mitglieder der Olivia Jones Familie gehen an KiTas und Schulen, die um Unterstützung bitten: Mit Lesungen aus Olivias Kinderbuch, Vorträgen, Diskussions- und Fragerunden von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Federführend sind Veuve Noire, offizielle „Familienbotschafterin“ der Olivia Jones Familie für Toleranz und Vielfalt sowie Historikerin und Kultkiez-Touren-Guide Eva „Doc“ Decker.“

Zudem hat Olivia Jones die Schirmherrschaft für die Ausstellung des Auswanderermuseums BallinStadt „Fluchtursache: Liebe“ übernommen, die sich dem Thema Migration und Homosexualität widmet und für Schulen ab der 5. Klasse offen ist. Einen Bericht über „Olivia macht Schule“ finden Sie hier und Hintergründe zu dem Phänomen Drag-Queen-Lesungen in Kitas hier.

pro familia Hamburg

pro familia Hamburg berät unter anderem auch zur Sexualität von Kindern und Jugendlichen und gibt dazu einen Elternratgeber 10 Fragen. 10 Antworten. Kinder, Gefühle, Doktorspiele mit Buchtipps und Erläuterungen beispielsweise zu „Was sind normale Doktorspiele“ und den dazugehörigen Regeln heraus.

Ansprechpartner und Kontakt

Regine Scheffer
E-Mail: kontakt@elternaktion.de