Brandenburg
Im Rahmen der „Bildungsregion Berlin-Brandenburg“ betreiben beide Bundesländer einen gemeinsamen Bildungsserver, der umfangreiche Informationen und Unterrichtsmaterial zur Sexualerziehung/Bildung für sexuelle Selbstbestimmung bereitstellt. Zudem fördert das Land die „geschlechtliche und sexuelle Vielfalt“ in Kitas (Hörspielproduktionen), ist aber weder über die von externen Anbietern an Schulen durchgeführten Programme informiert (darunter auch das Netzwerk „Schule der Vielfalt), noch führt es hierzu Qualitätsprüfungen durch. Hierzu wird auf die Autonomie der Schulen verwiesen.

Die schulische Sexualerziehung wird in Brandenburg fächerübergreifend erteilt, wobei laut Schulgesetz auf Sensibilität und Zurückhaltung gegenüber der Intimsphäre der Schüler zu achten ist und kein Schüler einseitig beeinflusst werden darf. Dessen ungeachtet sieht der Aktionsplan Queeres Brandenburg jedoch vor, dass Kinder möglichst früh – ab dem Kin­dergartenalter – mit der Vielfalt von Lebensweisen bekannt gemacht werden sollen, um „einen selbstverständlichen Umgang mit Vielfalt zu entwickeln“.

Laut dem Kita-Bildungsplan sollen Kinder lernen, „dass sie das Recht auf körperliche Selbstbestimmung haben“ und „dass es Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtsidenti­täten und sexuellen Orientierungen gibt und dass alle Kinder individuelle Verhaltensweisen unabhängig von den Zuschreibungen zu einem Geschlecht haben können“ (Sexualität und Gender, S. 232). Für das pädagogische Handeln bedeute dies: „Das Interesse am eigenen Körper ist von Anfang an mit Freude und Lustempfinden verbunden. Macht euch klar, dass sexuelle Erkundung ein wichtiger Teil der kindlichen Entwicklung ist. Gebt den Kin­dern Gelegenheit, sich unter Beachtung ihres Rechts auf Privatsphäre … zurückzuziehen, mit ihrem Körper zu spielen und ihn in Unbefangenheit und Spontaneität ohne Grenzüber­schreitung oder Beschämung kennenzulernen“ (S. 233)

Kita

Obwohl Kindertagesstätten nicht zur Einführung eines sexualpädagogischen Konzeptes verpflichtet sind, werden dort unter dem Deckmantel der Missbrauchsprävention immer häufiger derartige Konzepte eingeführt. Kinder, die sich in diesem frühen Alter noch nicht einmal adäquat sprachlich äußern können, ungefragt und permanent mit sexuellen Themen zu konfrontieren, ist übergriffig, verletzt ihre Intimsphäre und lädt explizit zum Ausprobieren in Rückzugsräumen ein. Hier wird die Aufsichtspflicht verletzt und Missbrauch billigend in Kauf genommen. 

Sexualpädagogisches Konzept (Fröbel-Kindergarten am Volkspark, Potsdam)

Sexualpädagogisches (Schutz)-Konzept (Hort Max & Moritz, Brandenburg)

ELTERNBERICHTE

  • An einer Potsdamer Schule fand ein fünftagiges Schulprojekt, „Ich, Körper und Gefühle“ in einer 8. Klasse statt. Die Schüler mussten sich umfassend mit Themen wie Geschlechtervielfalt, Akzeptanz verschiedener sexuellen Lebensentwürfen und anderen LGBT-Themen auseinandersetzen auf der Grundlage einer Broschüre für Lehrer, „Liebe hat viele Gesichter“, von Queerformat – Fachstelle Queere Bildung. Die Eltern wurden nicht vorab informiert.

Rechtslage in Brandenburg

Sie als Eltern haben umfassende, gesetzlich geregelte Rechte im Zusammenhang mit der Sexualerziehung in Kita und Schule. Diese sollten Sie zum Wohle Ihres Kindes auch einfordern.

Meine Rechte kennenlernen

Immer häufiger wird der Aufklärungsunterricht an Schulen oder Teile des Unterrichts von sogenannten LSBTIQ-Gruppen durchgeführt – oft ohne die Anwesenheit des Lehrers. LSBTIQ steht für lesbisch, schwul, bi, transsexuell, intersexuell und queer. Queere Bildung will LSBTIQ-Lebensweisen in den Schulen z.B. durch “Authentische Begegnungen mit LSBTIQ*-Aufklärer_innen” erfahrbar machen. In Brandenburg wird dies u.a. durch folgende Projekte verwirklicht:

AIDS-Hilfe Lausitz e. V.

Der Verein AIDS-Hilfe Lausitz e.V. „engagiert sich mit und an Schulen“. Neben Informationen rund um HIV werden auch Themen wie „Liebe im Allgemeinen“ und „sexuelle Orientierung(en)“ anhand von „kurzweiligem thematischen Input“, Gruppendiskussionen, Kurzfilmen und Rollenspielen vermittelt.

AIDS-Hilfe Potsdam e.V.

Die AIDS-Hilfe Potsdam verfügt über eine Konzept der Sexuellen Bildung und bietet Aufklärungsprojekte ab der 6. Klasse ohne Anwesenheit der Lehrkräfte an. Die Projektleiter verfolgen eine „sexpositive und wertschätzende Haltung“. Selbstbestimmte Sexualität und „Lustfreundlichkeit“ stehen im Mittelpunkt.

„Wir verstehen Sexualität, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Liebe und Beziehung als ein Spektrum, in dem jeder Mensch seinen Platz hat – unabhängig von Normen oder gesellschaftlichen Erwartungen.“ „Mit unseren Workshops wollen wir dazu beitragen, dass junge Menschen befähigt werden, sexuelle Empfindungen und Bedürfnisse wahrzunehmen, mit ihnen offen umzugehen, sich zu verständigen und Tabus abzubauen.“

Die Workshops können aus den Bausteinen „Pubertät & Körperveränderungen, Liebe & Beziehung, Verhütung, Grenzen und Konsens, Umgang mit Medien (Pornografie, Sexting & Co.) und HIV/Aids und andere STI“ zusammengesetzt werden. Jeder Workshop „schließt mit Kondome abrollen und einer Feedbackrunde ab“.

Zudem veranstaltet die AIDS-Hilfe Potsdam jedes Jahr die JugendFilmTage für Schüler ab 10 Jahren: „Die JugendFilmTage sind für Schüler*innen zwischen 10 und 19 Jahren geeignet. Es werden vier Filme zu den Themen Sexualität, Liebe, Freundschaft und HIV/Aids angeboten. Ebenso gehören für die Schüler*innen verschiedene Mitmach-Aktionen, jeweils 45 Minuten vor und 45 Minuten nach den Filmvorführungen dazu.“

AndersARTiG e.V. – Bildung unterm Regenbogen

Der Landesverband AndersARTiG ist die größte LSBT-Dachorganisation in Brandenburg. AndersARTiG koordiniert das Schulprojekt „Bildung unterm Regenbogen“, bei dem andere queere Vereine mitwirken:

„Ausgebildete Teamer_innen – vorrangig junge Lesben und Schwule, Bisexuelle, Queere, Inter* und Trans* – erarbeiten und diskutieren mit euch gemeinsam Themen wie sexuelle Orientierung und Geschlecht, Diskriminierung, gleichgeschlechtliche Beziehungen, Liebe, Coming Out und Sexualität. Zum Einsatz kommen Filme, Fragebögen, Rollenspiele und mehr – immer vorab auf die spezifische Jugendgruppe zugeschnitten.“

„Bildung unterm Regenbogen“ richtet sich an Schüler ab der 7. Klasse. Der Peer-to-peer Ansatz und das autobiographische Erzählen spielen eine zentrale Rolle.

Eine Handreichung für Lehrkräfte wartet mit mehreren schamverletzenden Übungen für den Unterricht auf, die aus der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ bekannt sind. So sollen zum Beispiel Begriffe wie Kondom, Zungenkuss, Telefonsex, Homoehe, Schwulendisco, erogene Zone, Lecktuch und Dildo von Schülern pantomimisch dargestellt und erraten werden. Verstörung und Verunsicherung und eine Normalisierung von Promiskuität sind das Ziel: „Vor dem Hintergrund unterschiedlicher sexueller Lebensweisen“ sollen „die eigene Sexualität“ und „starre Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit“ reflektiert und hinterfragt werden.

CSD Cottbus e. V.

Der Verein CSD Cottbus e. V. bringt unter dem Projektnamen „Regenbogenkombinat-Cottbus“ queere Aktionen in die Schulen. Dazu zählen Schul-Workshops und Projekttage, queere Comic-Workshops und Dragqueen-Workshops. Einen ausführlichen Bericht zum „Drag-Workshop“ finden Sie hier und ein Video zeigt, wie der Workshop in einer Schulklasse abläuft. Der Workshopleiter schminkt einen Schüler stundenlang vor der ganzen Klasse und verwandelt ihn Schritt für Schritt in eine Drag Queen, während er den anderen Schülern Fragen zur geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung beantwortet.

„Aufklärungsarbeit an und mit Schulen“ führt der CSD Cottbus e. V. unter dem Dach von „Bildung unterm Regenbogen“ des Landesverbandes AndersARTiG e.V. durch.

dissens INTERVENTIONEN für geschlechtliche & sexuelle VIELFALT

Katte e. V.

Katte, die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Tolerantes Brandenburg e. V. bietet Aufklärungsangebote zu sexueller Gesundheit und sexueller Identität an. „Mit diesem Safer Sex – Seminarangebot möchte der Verein Katte e. V. Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8 – 10 erreichen.“

Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) Landesverband Berlin-Brandenburg e.V.

Der LSVD Berlin-Brandenburg bietet kostenlose „schulische Bildungs- und Sensibilisierungsworkshops zum Thema geschlechtliche und sexuelle Vielfalt“ an. Die Workshops von mindestens 180 Minuten Länge thematisieren Coming Out, sexuelle und romantische Orientierung und „die fünf Ebenen des menschlichen Geschlechtes: Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck, bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht, Geschlecht in Personalien, körperliche Merkmale“.

pro familia Brandenburg

pro familia Brandenburg ist in 13 Städten präsent und führt – analaog zu den Inhalten des Bundesverbandes – sexualpädagogische Veranstaltungen in Grundschulen und weiterführenden Schulen durch.

queer@school – Projekt des Jugendnetzwerks Lambda Berlin-Brandenburg e.V.

Das Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg e.V. bietet mit dem Projekt queer@school Workshops und AG-Begleitungen für Schulen aller Jahrgangsstufen in Berlin und Brandenburg an. „Junge ehrenamtliche Menschen (19 bis 27 Jahre)“ klären Kinder und Jugendliche über „geschlechtliche, romantische und sexuelle Vielfalt“ auf. Sie verfolgen dabei den Peer-to-Peer Ansatz, d.h. sie verleihen den einzelnen Themen durch ihre biographische Betroffenheit emotional Gewicht und beeinflussen somit die oft nur wenige Jahre jüngeren Teilnehmer.

Ansprechpartner und Kontakt

Regine Scheffer
E-Mail: kontakt@elternaktion.de